Die Reise
der SY RESOLUTION von Juli 2025 bis heute
Den vorigen Teil der Reise kann man hier nachlesen:
Die technischen Daten des Schiffes und der Crew sind im ersten Teil der Reise zu finden: https://sy-resolution.jimdosite.com
29. Juli 2025, Denarau, Viti Levu (Fidschi)
Die einzig sichere Methode zu reisen ist das Segeln. Auf gar keinen Fall das Fliegen.
Bei der Abreise erklärt man mir auf dem Flughafen in Fidschi, daß ich wegen meines nun verlängerten Aufenthaltes in Sydney ein ETA-Visum für Australien benötige. Das könnte ich mir aber per App holen. Ich lade die App herunter, verifiziere meinen Reisepaß und mich, zahle 25$ und kriege die Rückmeldung, daß ich alle Prüfungen bestanden hätte und nun das Visum innerhalb von 72h zugestellt bekäme. Das ist beruhigend, denn in 2h geht mein Flug. Zum Glück brauchen die australischen Beamten nur 30min für die Zusendung und ich komme tatsächlich nach 40h entspannt zu Hause an.
Der Rückflug läuft ähnlich. Auf dem Flughafen BER erklärt man mir, daß ich ohne Rückflugticket nicht nach Fidschi reisen dürfe. Ich erkläre, daß das hier mein Rückflugticket sei, denn ich wäre ja erst von Fidschi hierher geflogen. Meine Erklärung wird nicht ernst genommen und mir die Abfertigung verweigert. Man gibt mir aber den Hinweis, daß ich nicht unbedingt ein Rückflugticket bräuchte, sondern daß auch ein Ticket von Fidschi nach irgendwohin ausreichend sei. Also buche ich online und vor Ort einen Flug von Fidschi nach Samoa und zeige die Bestätigung vor. Daraufhin darf ich einchecken. Ist das nicht wie im Paradies? Raus kommt man immer, aber rein…
In der Zwischenzeit bereise ich Deutschland und Österreich (in pazifischen Wanderschuhen) und absolviere wieder viele Besuche, Empfänge, Zahn- und Arzttermine und natürlich die liegengebliebene Haus- und Gartenarbeit des vergangenen Jahres. Schee isses!
30. Juli 2025, Denarau, Viti Levu (Fidschi)
Das Kranen klappt gut und pünktlich, Mitfahrer Gerold kontrolliert tapfer per Tauchgang den Sitz der Gurte im dreckigen Hafenwasser. Im Tageslicht kommen dann nicht nur ein beachtlicher Bewuchs und das abgeplatzte Coppercoat zum Vorschein, sondern zu meiner Begeisterung noch ein tiefer Kratzer (der Bommy bei der Abreise aus Penrhyn) und mehrere stattliche Risse im Laminat des Ruders. Das haben ja die Polynesie-Franzosen vor einem Jahr neu gebaut (gepfuscht?), genauer gesagt vor einem Jahr und 2 Wochen, die Garantiezeit ist also abgelaufen. Sehen wir es positiv: wenn ich es jetzt nicht bemerkt hätte, wäre es mir sicher bald unterwegs bei etwas mehr Seegang auf- (und ab-) gefallen. Also richten wir uns auf einen Werftaufenthalt von mehr als drei Tagen ein. Gerold ist Golfer und hinter der Marina ist gleich ein Golfplatz. Ich bin Boater und damit auch immer beschäftigt.
3. August 2025, Denarau, Viti Levu (Fidschi)
Wir sitzen noch auf dem Trockenen. Gerold hat einen Mietwagen besorgt und in einem Vorgarten Wasserflugzeuge entdeckt, von denen er gleich eines chartert (mit Skipper). Also gibt es am Wochenende einen Rundflug über die Inselwelt, einen Besuch des botanischen Gartens und der überall im Südpazifik beliebten WW II-Kanonen.
Außerdem spielen wir jeweils Golf und reparieren die Schiebetür.
8. August 2025, Denarau, Viti Levu (Fidschi)
Das Ruder nimmt langsam Form und Farbe an und wird zum Freitagnachmittag provisorisch angehängt. Die Endmontage soll dann nach dem Trocknen des Coppercoats am Montag folgen.
Jeden Morgen will der Mechaniker meinen Außenborder aufschrauben und die Kopfdichtung freilegen. Jeden Mittag stellt er fest, daß er es heute nicht mehr schafft. Das Schlagwort dazu heißt „Living on Fiji-Time“ (ich habe mir zwischenzeitlich in weiser Voraussicht einen gebrauchten 5PS-Yamaha-Viertakter gekauft und an Bord verstaut). Ja, das Leben in Fidschi ist schon bitter, die Fidschen haben daher das korrespondierende Getränk gleich eimerweiße im Angebot: "Fiji Bitter".
11. August 2025, Denarau, Viti Levu (Fidschi)
Wir schwimmen wieder! Das Ruder ist befestigt, das Coppercoat getrocknet und angeschliffen. Den Außenborder habe ich in der Werkstatt zurückgelassen, in der Hoffnung, ihn übernächste Woche repariert zurückzubekommen.
Am Wochenende gab es noch einen Mietwagenausflug nach Suva mit Hotelübernachtung und Haarschnitt.
Morgen geht es in die Inselwelt von Fidschi, immer auf der Spur berühmter Filme: „Die blaue Lagune“ und „Castaway“ wurden auf den Yasawa-Islands gedreht. Ich werde Gerold ab jetzt „Wilson“ nennen müssen.
12. August 2025, Malolo Island (Fidschi)
Der erste lange Schlag mit 13nm führt in die Mamanuca Islands nach Musket Cove. Hier sind sie alle, ungefähr 50 Boote ankern in der geschützten Lagune. Die DESTINY ist darunter und noch ein deutscher Kat. An Land sind viele Resorts und Hotels, im „Six Senses“ z. B. kann man eine Suite für 25.000€ pro Woche mieten. Mit Meerblick. Hab ich auch.
14. August 2025, Vanua Levu (Fidschi)
Weiter geht es in Richtung Norden, vorbei an Tom Hanks‘ altem Arbeitsplatz in eine schön ruhige und abgelegene und unbewohnte Bucht. Ohne Internetz. Aber immerhin mit einem kleinen Bonito in der Zufahrt und einer Bande aufdringlicher Schwarzspitzenriffhaie am Ankerplatz.
15. August 2025, Yalobi, Waya Island (Fidschi)
Der angesagte starke Nordwind zwingt uns in eine Bucht im Süden von Waya, die diesmal nicht unbewohnt ist. Also marschieren wir pflichtbewußt mit einem Kava-Bündel zu Chief John, um ihm selbiges zu überreichen und unsere Aufwartung zu machen. Er kommt auf seinem einen Bein extra herbeigehumpelt, lächelt freundlich und beläßt es bei einem kurzen small talk.
Die ansässige Grundschule mit Internat beherbergt über hundert Kinder von der ganzen Insel.
Heute wandern wir über den Berg ins nächste Dorf, bestaunen aus Wellblech kunstvoll gefaltete Boote, die Schweinezucht mit integrierter Müllhalde und laufen wieder zurück. Die Leute sind freundlich, schwatzhaft und nicht aufdringlich. Die Gegend ist nicht sehr tropisch, aber sehr schön.
18. August 2025, Mana Island (Fidschi)
Mir dem letzten Nordwind segeln wir entspannt zurück nach Süden und ankern in der geschlossenen Lagune von Mana Island. Die Insel beherbergt ein Ressort, welches seinen Gästen (da fühlen wir uns auch angesprochen) etwas Abwechslung bieten will und eine fidsche „cooking class“ veranstaltet. Es wird die Herstellung von „Ika Vakalolo“ präsentiert, bei der einer der Lehrlinge stundenlang Kokosnüsse entbasten, öffnen und ausschaben muß, während die anderen „Köche“ sich amüsieren und fidsche Witze und Legenden erzählen. Das Ergebnis der zeit- und personalaufwendigen Show wird dann stilecht im Plastikbecher serviert: gekochter Fisch mit gekochten Auberginen, Maniok, Ingwer und rohen Zwiebeln + Chili in Kokosmilch. Es entschädigt nur partiell für das lange Sitzen auf der harten Pandanusmatte.
Das Riff vor Mana ist dagegen intakt und bunt.
19. August 2025, Mana Island (Fidschi)
Der höchste Berg auf Mana ist nur 140m hoch, da kammerma nuffsteigen un nunnerguggen.
Das Ressort hat eine nette Pool-Landschaft mit Barhockern aus Stahlbeton, das ist auch nötig.
23. August 2025, Nanuya Balavu Island (Fidschi)
Gerold ist wieder abgereist, nicht ohne die üblichen Schwierigkeiten am Flughafen zu haben. Das ist wohl neuerdings so Sitte.
Meinen Motor habe ich im gleichen Zustand wiederbekommen, in dem ich ihn beim "chief mechanic" abgegeben hatte, aber der Erkenntnisstand ist ein neuer: der "chief" hat ein Loch im Auspuff entdeckt, durch das die Abgase in den Innenraum entweichen. Neue Auspüffe wären gerade nicht am Lager, also kann er das Problem nicht beheben. Alles andere ist unter seiner Würde, wir sind ja nicht in Russland. Ich kaufe eine Tube Metallkleber, um selber das Loch damit auf russisch abzudichten. Da man sein Boot bekanntlich an den schönsten Orten der Welt repariert, suche ich mir zusammen mit der DESTINY (die haben große Näharbeiten am Großsegel vor) eine Insel in den Yasawas aus, auf der das „Paradise Cove Resort“ sein Domizil hat. Klingt erstmal gut, ist aber wegen Windmangels nur unter Motor zu erreichen (ich habe vorgestern erst getankt). Genau ein halbe Meile vor dem Ankerplatz setzt der Wind ein, aber kräftig. Paradiesisch, sozusagen.
Unser Weg führt relativ dicht an "Castaway Island" vorbei (1. Foto), was nach Tom Hank's Rettung wieder unbesiedelt ist, aber nun von allen Touristenbooten angefahren wird.
27. August 2025, Mana Island (Fidschi)
Abschied nehmen ist immer eine unangenehme Sache, aber fester Bestandteil des Seglerlebens. Die DESTINY bleibt noch einige Tage in Fidschi, mich dagegen zieht ein passendes Wetterfenster, das sich in drei Tagen auftut, erstmal nach Mana, dann nach Denarau, dann ins Immigration Office zum Ausklarieren und dann auf den Pazifik in Richtung Vanuatu, mit dem berühmten Port Resolution auf der Insel Tanna. In fünf Wochen erwarte ich in Port Vila wichtigen Besuch, da nehme ich lieber das vorletzte und nicht erst das letzte Wetterfenster.
Das Wetter hier ist seit gestern ohne Fenster zum blauen Himmel, nur Wolken im Wechsel mit Regen.
30. August 2025, Südpazifik, 350nm vor Tanna (Vanuatu)
COG: 260°
SOG: 7kn
Etmal: 158nm
Wind: SE 5Bft.
Wellen: 1m
Stömung: NE 0,5kn
Wetter: bewölkt, 28°C
Segel: Genua + Groß (1. Reff)
Vor der Abreise genieße ich noch einen Tag mit Dauerregen auf Mana und die touristischen Attraktionen in Denarau. Dort werde ich wieder beim Segelmacher vorstellig, denn der Reißverschluß meines Lazy Bags leidet unter Zahnausfall. Tatsächlich nähen sie mir innerhalb eines Tages einen neuen ein.
Die Ausklarierung läuft auch problem- und kostenlos, man muß sich einen Tag vorher anmelden und dann sofort! den Hafen verlassen.
Das Wetter paßt, raumer Wind mit 5Bft. und wenig Welle. Als ich sicherheitshalber zum Abend ein Reff einbinden will, sehe ich schon wieder eine Segellatte aus dem Achterliek ragen. Schnell das Groß runter, bevor sie in den Bach wedelt. Dann die Nacht halt nur unter Genua, am nächsten Morgen bei Licht die Fehlersuche und Reparatur. Nix kaputt, ich hatte ja auch alle Lattentaschen nach Verlust der ersten Latte verstärkt. Wieder rein, ordentlich Spannug drauf und beobachten.Während der Beobachtung kommt die nächste Latte aus ihrer Tasche gekrochen. Läuft! Alles wieder runter, diesmal ist der Fehler klar: der Segelmacher hatte keine verbreiternden Endstücke für die neue Latte, dadurch schiebt sie sich an dem Verschlußgurt vorbei und versucht zu fliehen. Ich bastele aus Epoxy-Knete ein Endstück und knote die Lattentasche zusätzlich um die Latte rum fest. Wieder rein, ordentlich Spannung drauf und beobachten.
Am Horizont sehe ich 2 Boote, auf dem AIS zusätzlich 3 weitere, die auf gleichem Kurs mit mir fahren. Der Pulk umfaßt über ein Dutzend Boote, die am gleichen Tag Fidschi mit Ziel Port Resolution verlassen haben. Wenn das Wetter ein Fenster öffnet, lehnen sich halt alle raus. Es hat sich sogar eine eigene WhatsApp-Gruppe für die Überfahrt gebildet, man kann untereinander kommunizieren und wird über die Situation vorne unterrichtet. Da ich (noch) der Vorletzte bin, ist das gar nicht schlecht.
31. August 2025, Südpazifik, 200nm vor Tanna (Vanuatu)
COG: 260°
SOG: 6kn
Etmal: 157nm
Wind: SSE 3Bft.
Wellen: 1m
Stömung: NNE 0,5kn
Wetter: bewölkt, 27°C
Segel: Genua + Groß, HW
Hier, an der 200nm vor der Küste verlaufenden Grenze der „wirtschaftlichen Nutzungszone“ von Vanuatu, ist die chinesische Fischfangflotte stationiert. Ich sehe zehn AIS Signale mit Namen wie „Lurongyuanyu“ oder „Zhongshui“. Kein Wunder, daß ich bisher nichts geangelt habe. Dazu noch zwei deutsche Segler vor mir, die das gleiche Ziel haben wie ich.
Der Törn verläuft sehr ruhig und angenehm bis jetzt, keine Squalls, kein Regen, kein Sturm, keine Flaute. Wäre meine Grundstimmung momentan nicht sehr trübe, könnte es richtig schön sein. Heute zum Sonntag habe ich mir wenigstens ein Vollkornbrot gebacken (mit Mehl aus Rarotonga, erstaunlicherweiße noch käferfrei) und ein Ei gebraten.
Die Nächte sind auch friedlich, es werden keine hektischen Manöver oder Notreparaturen von mir verlangt. Also schlafe ich im 30/5-Takt (30min schlafen, 5min wachen) auf der Saloncouch, draußen ist es mir zu frisch. Auf 19° Süd bin ich ja schon an der Grenze zwischen Tropen und Polarzone.
03. September 2025, Port Resolution, Tanna (Vanuatu)
Die Ozeanpassagen und das Anker-/Marinaleben sind die zwei Seiten der Segelmedaille. Beide beginnen immer mit einem Gefühl von Glück und Neugier, das nach einer Weile nachläßt und von der Sehnsucht nach dem Wechsel auf die andere Seite abgelöst wird. Das ist zunächst die Freude am Segeln unter guten Bedingungen und dann die Freude am Durchschlafenkönnen und der Erkundung einer neuen, exotischen Insel. Letzteres setzt ja bekanntermaßen den Prozeß der Einklarierung voraus. Da diesmal 17 Boote in zwei Tagen eintreffen, fahren die Offiziellen raus zum Port Resolution und errichten dort ein Freiluftbüro. Mit 125,-US$ Gebühr pro Boot nicht gerade kostengünstig, dafür aber einträglich.
Heute geht’s mit dem Pickup über abenteuerliche Pfade in die Inselhauptstadt, um Bargeld, SIM-Karte und etwas Gemüse zu erstehen.
Das Dorf am Port Resolution imponiert recht ursprünglich. Nix mit Schickimicki, Hotels und Restaurants wie in Fidschi. Es gibt zwar ein „Restaurant“, aber dort kocht Mary nur das, was da ist und weg muß: Kürbisgemüse mit Taro, Gurke, Lauch(?) und etwas Rührei. Dazu Zitronenlimonade. Alles echt und authentisch.
06. September 2025, Port Resolution, Tanna (Vanuatu)
Nach drei Tagen Regenwetter endlich etwas Sonne, diese Gelegenheit nutze ich mit drei weiteren Bootsbesatzungen zur Besteigung des hiesigen Vulkans. Der Mount Yasur ist noch aktiv, aber auf ungefährlichem Level. Laut Guide (ohne den würde man niemals den Weg hinauf und hinunter finden) ist es ein Mann mit göttlichem Status. Er macht die Wolken und grummelt hin und wieder, mit genug Kawa in der Birne kann man aber mit ihm reden.
Der Weg führt durch ein noch ursprünglicheres Dorf, ein paar Pflanzungen (Banane, Papaya, Taro, Mais u.ä.) und Kuhweiden, durch Dschungel, Elefantengras und zum Schluß über das Geröllfeld. Oben zischt und dampft es gewaltig (das viele Regenwasser wird verkocht), hin und wieder sieht man einen kleinen aktiven Krater. Nuff geht es von 15:00 bis 18:00, nunner von 18:30 bis 21:00 Uhr, dadurch kommt man im fast Dunkeln oben an und kann die Lava sehen. Der Rückweg mit Stirnlampen ist auch spannend. Wir haben außerdem alle Wasser, Verpflegung, Wanderschuhe und Windjacken dabei, der Guide (barfuß und im Hemd) seine Machete und sein Handy, damit hat er Zugriff auf Kokosnüsse, Papayas und etwas Licht für den Heimweg.
Heute habe ich Ruhetag angesetzt, die Sache ist für den älteren Segler schon etwas anstrengend. Mein Abendessen kriege ich zum Glück per Einbaum geliefert.
07. September 2025, Port Resolution, Tanna (Vanuatu)
Es ist mal wieder komplett bewölkt und mit 23°C auch recht kühl. Der Wind kommt kräftig aus Süd, demnach aus Polnähe. Für Wind und Wellen (die sollen morgen auf über 3m anwachsen) aus dieser Richtung ist Port Resolution aber gedacht, deswegen bin ich noch hier.
Zum Glück regnet es, da komme ich nicht in Versuchung, das Gelcoat zu polieren oder zu ölen. Stattdessen lade ich vorsorglich schon mal die Seekarten für Papua Neuguinea runter. Und die Satellitenphotos, das nimmt Zeit in Anspruch, weil die mehrere GB umfassen. Die Photos sind hilfreich, darauf hat man zwar keine Tiefenangaben, Seezeichen oder irgendwelche andere Beschriftungen, aber man sieht ganz genau die Riffe und Küstenlinien. Und die Photos stimmen immer, Seekarten liegen manchmal meterweit daneben. Oder es steht „unsurveyed area“ drauf, wenn noch nicht mal Cpt. Cook da war.
Ansonsten habe ich noch ein analoges Buch, den „Southeast Asia Cruising Guide“, und in dem steht drin, daß die Nordküste von PNG und die Salomonensee zu den gewitterreichsten Gegenden der Welt zählen. Das macht mich natürlich etwas nervös. Die San Blas Inseln habe ich ja noch gut in Erinnerung, die gehören auch dazu. Soll ich doch lieber an der Südküste hochfahren, durch die Torres-Straße? Zumal mir ja im Winterhalbjahr da oben der NW-Monsun entgegenkommt. Hat dazu jemand Erfahrungen oder eine fundierte Meinung?
08. September 2025, Port Resolution, Tanna (Vanuatu)
Bei schönstem Wetter und kräftigem Wind aus SSE mache ich nochmal einen kleinen Landausflug, um mich in den heißen Quellen am Ufer zu baden. Das ist gar nicht so einfach, denn das Wasser kommt kochend und dampfend aus dem Gestein, man muß eine Stelle finden, an der es sich mit Seewasser mischt und auf eine erträgliche Temperatur abgekühlt wird. Da, wo gerade die Welle reinkommt auf dem ersten Bild, paßt es ganz gut. Es gibt sogar eine Süßwasserlagune auf der Insel, die dient als Fischteich und zum Wäsche waschen.
10. September 2025, Unpongkor, Erromango (Vanuatu)
Bei Sonnenaufgang und kräftigem ESE geht es - vorbei am Vulkan, der von weitem erstaunlich flach aussieht - weiter nach Erromango, wo ich nach 55nm und 9h im ruhigen Wasser der Westküste den Anker schmeiße.
An Bord hat alles sein Ordnung und seinen Platz. Das Wasser gehört ins Meer und nicht in die Bilge, trotzdem muß ich da 15l auspumpen. Und schon gar nicht gehört es ins Öl des Saildrive-Getriebes, trotzdem sieht dieses milchig aus. Das zieht mal wieder einen Krantermin nach sich, um die mit Sicherheit undichten Simmerringe zu tauschen. Und Bier gehört in die Flaschen und nicht in die Vorratsschränke und dann in die Bilge. Die fidschen Brauer sind nicht in der Lage, ihre Kronenkorken fest aufzupressen, vier Flaschen sind ausgelaufen. Und Bier ist knapp! Das ist doch alles nicht Ordnung…
11. September 2025, Unpongkor oder Dillon's Bay, Erromango (Vanuatu)
Auch hier gibt es einen Yachtbeauftragten und sogar einen „Yachtclub“, jedenfalls hat der 75-jährige David unter diesem Namen sein Tourismusgeschäft aufgebaut. Für 7€ bietet er eine Führung durchs Dorf, zu den Gärten und dem Süßwasserpool inklusive einer Zitronenlimonade, einem Teller Yams und Taro und ein paar Früchten zum Mitnehmen an. Das ist angenehm.
Unangenehm ist der Anblick der Creme, die ich aus meinem Getriebe hole (und nebenbei großzügig im Cockpit verteile). Das ist nicht Kokosmilch oder Kakao, sondern eine sehr stabile und hochviskose Emulsion aus 15W-40 und Seewasser! In Port Vila MUSS ich eine Möglichkeit finden, das Schiff zu kranen.
13. September 2025, Port Vila, Efate (Vanuatu)
Bei besten Bedingungen fahre ich über Nacht nach Port Vila und komme pünktlich um 08:000 Uhr morgens an.
Port Vila ist die Hauptstadt von Vanuatu, hier lebt ein Sechstel der 300.000 vanuatösen Einwohner. Wie in allen Hauptstädten der christlichen Welt ist auch hier Wochenende, die Werft macht erst am Montag wieder auf. Man kommt nur mit einem Boot hin, die Straße ist nach einem 7,5er Erdbeben im letzten Dezember noch nicht wieder befahrbar. Mag bei einem boatyard noch gehen, für eine Autowerkstatt wäre es echt schlecht. Wikipedia sagt dazu nur: "Vanuatu steht auf Platz 1 der Liste der durch Katastrophen besonders gefährdeten Staaten..."
Die Supermärkte sind aber offen und haben ein Angebot fast wie in Papeete! Es gibt Baguette und Camembert und (australischen) Vin Rouge und sogar frische Pâté de campagne! (Bier zum Glück auch.) Das kommt daher, daß Vanuatu (früher die Neuen Hebriden) von 1906 bis zur Unabhängigikeit 1980 von einem sogenannten britisch-französischen Kondominium verwaltet wurde. Die Franzosen haben neben dem Lebensmittelsortiment auch den Rechtsverkehr hinterlassen. Die Tommies vor allem die Sprache, die mich in ihrer sehr speziellen Form, dem „Bislama“, immer wieder begeistert. Hier ein Beispiel von einer Apothekenwerbung. Ins Englische rückübersetzt heißt das: „I have got special medicines that belong to children or everyone“. Auf Deutsch also: „Arzneimittel für Kinder und Erwachsene vorrätig“. Wobei sich „Pikinini“ eher nach italienischem Einfluß anhört…
Ich hänge an einer Marina-Boje (für 21€/Tag, saftig) und fahre mit dem Dinghy an Land zum Einkaufen, Duschen und Organisieren. Eine zertifizierte Yanmar-Werkstatt habe ich schon gefunden, aber essentiell ist die Möglichkeit des Raushebens. Einen Lift hätte die Werft nicht, nur einen Slip, und die ganze Sache wäre auch nicht risikolos, sagt der alte englische Werkstattbesitzer. Oh, oh…
15. September 2025, Port Vila, Efate (Vanuatu)
Das Wochenende ist überstanden, es war nicht leicht. Am Ufer ist ein Verantstaltungsplatz, auf dem Gottesdienste mit Wanderpredigern und Lautsprecheranlage veranstaltet werden. Am Samstag sind die Sieben-Tages-Adventisten dran und am Sonntag der Rest. Ich würde die Typen an ihren Lieblingsworten immer wieder erkennen: Reverend „Hey, Man!“, Reverend „One, two, three!“ und vor allem Reverend „Halleluja!“. Heute ist Montag und da haben auf der Insel hinter mir, wo das Ressort renoviert wird, die Bauarbeiter mit dem Preßlufthammer die Lufthoheit.
Dafür war ich aber auf dem „Boatyard“ relativ erfogreich, man könne mein Boot mittels „Trailer and Craddle“ Ende September rausholen. Die mahnenden Worte des Yanmar-Werkstattbesitzers habe ich sofort nachvollziehen können. Auch Yanmar Australien hat sich per Email gemeldet und nach Fotos gefragt.
Um einen Inlandsflug von Luganville zurück nach Port Vila zu buchen (damit mein wichtiger Besuch wieder nach Hause kommt), muß man auf den Bauerfield Airport ins Main Office von Air Vanuatu. Die Firma (Staatseigentum, also VEB) ist pleite, ihre Website wird nicht mehr bedient und sie mußte ihre großen Flugzeuge verkaufen. Aber mit Cessnas oder De Havillands fliegen sie hin und wieder noch. Im Office sitzt ein Mitarbeiter (für’s ganze Land!) und verkauft Flüge, mir zum Glück auch noch einen, als ich dann endlich dran bin. Zum Flughafen kommt man mit einem Anhalter-Minibus, der kostet 1€ und fährt einen bis vor die Haustür, also auch abseits der Main Road. Das zieht sich, weil alle Insassen irgendwo abseits wohnen oder hinwollen, aber ist informativ.
17. September 2025, Port Vila, Efate (Vanuatu)
Die „chief mechanics“ sind überall gleich. Heute fängt er mit der Arbeit an, erzählt mir der Yanmar-Typ seit drei Tagen. Wenn er nicht kommt, mach ich den Service halt selber, das Material dafür ist an Bord. Und die Garantie muß ich sowieso nicht in Anspruch nehmen, so ein Yanmar ist ja absolut fehlerfrei konstruiert. Mal abgesehen von den zwangsläufig korrodierenden Simmerringen am Saildrive und dem zwangsläugig korrodierenden Wärmetauscher. Der ist nämlich aus Aluminium und die Dichtung davor ist aus Edelstahl. Das macht nix, wenn man noch nie von der elektrochemischen Spannungsreihe gehört hat. Ansonsten wüßte man, daß sich das Alu, sobald beide Metalle in einem Elektrolyten (Seewasser) verbunden sind, auflösen wird. Und das ist, wie auf dem Bild zu sehen, schon passiert.
Ich löse mich auch auf, nach einer kleinen oberflächlichen Schürfwunde in der Kniekehle (nur ein wenig am Lukenrand gekratzt) bildet sich eine kraterförmige Vertiefung, die Haut ist komplett weg. Und die Bordapotheke ist für solche Fälle nicht optimal ausgestattet, Katastrophe!
20. September 2025, Mele, Efate (Vanuatu)
Die Mechaniker sind am Freitag doch noch gekommen, zu zweit! haben sie 4 Stunden gebraucht. Der Ostfriese, der den ersten Service gemacht hat, hat das alleine in einer guten Stunde erledigt. Er hat aber auch nicht den Fluß des Altöls in die Pumpe akribisch beobachtet und kontrolliert, sondern in der Zeit die Filter gewechselt. Nun gut, ich habe meinen Stempel im Serviceheft.
Außerdem habe ich immer wieder Seewasser in der achteren Steuerbordbilge und in der Zentralbilge. Und keine Ahnung, wie es da hin kommt. Beide Bilgen sind nicht miteinander verbunden.
Und außerdem habe ich immer noch ein offenes Bein, trotz Hydrokolloidalpflaster (doch noch eins gefunden). Also nix mit baden, wo ich mich doch extra in die schöne Bucht vor Mele gelegt habe, mit Strand und Insel davor. Und Sonnenschein.
21. September 2025, Mele, Efate (Vanuatu)
In der achteren Backbordbilge auch. 15l. Ich verstehe es nicht. Und dabei ist das Schiff doch der einzige Mensch, den ich habe, da sollte man sich schon einigermaßen verstehen. Was will es mir sagen? Ich habe überall Küchenpapier ausgelegt, wenn es irgendwo naß wird, könnte ich das dann sehen.
Neben dem offenen Bein habe ich übrigens noch eine offene Verletzung an der Zehe und seit heute auch eine an der Lippe. Was will mir mein Körper sagen? Wundheilungsstörungen aufgrund von Mangelernährung? Skorbut? Ich esse jeden Tag Salat oder Obst und mache immer Zitrone in den Gin Tonic. Mehr Gin Tonic?
Die Bilder zu diesen Themen laß ich mal lieber weg.
22. September 2025, Mele, Efate (Vanuatu)
Tropen sind also nicht gleich Tropen. In Panama war es viel wärmer und feuchter und die Schimmelpilze hatten die Übermacht. Hier ist es viel kühler und trockener und die Bakterien sind in der Überzahl. Habe mit systemischer Antibiose begonnen und benutze wieder klassische Verbände (Hydrokolloidalpflaster sind sowieso alle) mit täglichem Wechsel, Wundreinigung und Desinfektion (Jod, viiel Jod). Da die klassischen Verbände nicht mehr recht kleben (könnten sie eigentlich noch, sind erst seit sechs Jahren verfallen), fixiere ich sie zusätzlich mit stylishen Fixierbinden aus besagtem Panama. Positive Gedanken sind wichtig, das Immunsystem wird schließlich von der Psyche beeinflußt. Dazu gibt es frisches Brot und harte Arbeit an der Genua. Der UV-Schutz muß erneuert werden und so einige Nähte auch. Das warme, klare, blaue Wasser und der Sonnenschein können mich mal.
26. September 2025, Mele, Efate (Vanuatu)
Vorgestern Nacht war fürchterlicher Schwell in meiner Ankerbucht, ich konnte ähnlich viel schlafen wie bei einer Nachtfahrt. Gestern früh bin ich dann ganz schnell bis tief in den Scheitel der Bucht gekrochen, der war plötzlich frei, alle anderen waren weg. Jetzt ist alles gut bis auf das Nieselwetter. Die MARIA NOA ist gekommen, mit den neuen Simmerringen! Ein Lichtstrahl. Und meine Krater entwickeln eine gewisse Tendenz zum Wundverschluß, noch einer! Auf den beiden anderen deutschen Booten neben mir haben zwei Leute das gleiche Problem und kennen jeweils noch zwei weitere betroffene Boote. Da muß es in Vanuatu also Keime geben, mit denen das klassische deutsche Immunsystem nicht klar kommt. Aber vielleicht ist es lernfähig? Zum Glück sprechen die Biester noch auf Cipro und Amoclav an.
Das Unterliek meiner Genua ist zur Hälfte mit neuem UV- und Schamfilschutz benäht, eine extrem zeitaufwendige Arbeit. Mittlerweile ist das Material so dick, daß ich jedes Loch einzeln mit der Ahle vorstechen muß.
29. September 2025, Port Vila, Efate (Vanuatu)
Wir sitzen mal wieder auf dem Trockenen. In lauschiger Umgebung. Die Aktion des Slippens hat fast fünf Stunden und über fünf Mitarbeiter in Anspruche genommen, wobei drei davon fast ständig im oder unter Wasser waren. Die haarsträubendste Maßnahme meiner Bootskarriere, erstaunlicherweise sind außer kleineren Kratzern keine Schäden entstanden. Der Propeller ist dank der Hilfe des MARIA NOA-Skippers auch schon ab. Morgen früh wollen wir uns weiter in Richtung des Grundproblems vorarbeiten (die kaputten Simmerringe).
2. Oktober 2025, Port Vila, Efate (Vanuatu)
Geschafft, die Simmerringe sind getauscht, alles ist wieder zusammengebaut und neues Öl ist drin. Mir fällt auf, daß das Ruder etwas Spiel und auch eine leicht veränderte Neigung hat. Kurz entschlossen bleibe ich noch auf dem Trockenen und baue es aus. Es ist kein Schaden zu erkennen, also wird es wieder montiert. Der Tag kostet mich allerdings noch einen weiteren, denn am nächsten hat ein anderes Boot Sliptermin (maximal ein Boot pro Tag). Und der wird mittendrin abgebrochen, zuviel Wind. Jetzt bange ich um einen weiteren Tag…
6. Oktober 2025, Port Vila, Efate (Vanuatu)
Wir schwimmen wieder! Es hat alles geklappt, unglaublich.
Meine Frau ist auch gut angekommen, was man von ihrem Gepäck leider nicht sagen kann. Und das ist aufgrund des hohen Ersatzteilgehaltes (fast) genauso wichtig. Es kommt einen Tag später und muß am Flughafen abgeholt werden, zuvor wird es vom Zoll durchleuchtet. Die Diesel- und Ölfilter kommen den Kollegen komisch vor, ich muß sie auspacken und sie werden konfisziert, weil sie vom Zoll erst freigegeben werden müssen. Bis heute waren wir noch dreimal auf dem Flughafen, bei drei verschiedenen Zolldienststellen und einem customs broker, der für seine Dienste über 80€ haben will, also das Dreifache des Warenwertes. Die Sache ist momentan immer noch in der Schwebe.
Die Yanmar-Typen, die den Sevice-Alarm von meiner Anzeige löschen wollen, kommen zwar auch, kriegen aber nix gelöscht. Auch noch in der Schwebe. Irgendwann wollen wir mal weiter, eigentlich morgen…
Meine Wunden sind zu, um mal was Positives zu vermelden.
8. Oktober 2025, Moso Island (Vanuatu)
Gestern wieder zweimal zum Flughafen, jedesmal eine Stunde warten und den Zöllner solange beknien, daß wir morgen abreisen und die Teile doch brauchen und der alte Drache von customs broker uns doch nicht mehr bedienen will, weil wir seine Preise nicht akzeptieren: gut, dann gehe er jetzt den eigentlich illegalen Weg des direkten Verzollens, füllt ein Formblatt aus, kassiert 10€ und gibt uns die Filter. Sieg! Aber Pyrrhus-Sieg, der Zeitaufwand und die Fahrtkosten stehen in keinem Verhältnis.
Der sogenannte Elektronik-Spezialist von Yanmar hat von selbiger jedenfalls keine Ahnung, bei seinem zweiten Besuch schafft er es wieder nicht, den Alarm zu löschen, dafür kriegt er es aber hin, daß der Motor erst nicht mehr ausgeht und dann nicht mehr startet. Ich bin kurz davor, ihn ins Wasser zu schmeißen oder selbst zu springen, stelle mich dann aber neben ihn und versuche, das Programm zu verstehen. Nach einer Weile kapiere ich es und sage ihm, was er machen soll: jetzt geht wieder alles und der Alarm ist auch weg. Wir feiern den letzten Tag in Port Vila in einem französischen Restaurant mit sehr gutem Essen und sehr gutem Wein. Die Attraktionen der Insel wie Wasserfälle und Blaue Lagunen müssen weiter ohne uns auskommen. Der Flughafen, der Zoll und die Experten waren auch viel spannender.
Die Bucht hinter Moso Island wird heute bei besten Bedingungen schon vor dem Mittag erreicht, aber sie ist so schön und so ruhig, daß wir sie nicht auslassen wollen. Maman ist sofort entspannt.
10. Oktober 2025, Moso Island (Vanuatu)
Da wir zwei Tage Starkwind-Urlaub haben, machen wir mehrere Schnorchelgänge (viel bunte Korallen, aber wenig Fische) und einen längeren Spaziergang auf die andere Seite der Insel. Am dortigen Strand gibt es Motive und Müll, u. a. eine über 80 Jahre alte Coca-Cola-Flasche, die während des zweiten Weltkriegs von einem amerikanischen GI hier ausgetrunken und weggeworfen wurde. Wie tausende andere auch, sie sind ein typisches Souvenir dahier. Und sie werden noch viele Jahrzehnte zu finden sein, die Wandstärke beträgt 1cm. Damit sind die Flaschen definitiv schwerer als ihr Inhalt und für die Ewigkeit gebaut.
An unserem Strand entdecken wir eine schöne Stoamandl-Höhle, die wir natürlich pflichtbewußt erweitern.
11. Oktober 2025, Revolieu Bay, Epi Island (Vanuatu)
Bei raumen 5 Bft. geht’s ab wie Schmidt’s Katze, bis wir mit 8kn auf die Reste eines Fischernetzes samt angebammelten Schwimmern donnern. Das Gedödel verfängt sich natürlich am Ruder und schlägt mit Wucht dagegen. Wir fangen an, die Segel wegzunehmen, da befreit es sich zum Glück von alleine. Der Tauchgang am Ankerplatz offenbart allerdings, daß das neue Coppercoat am Ruder an zwei Stellen abgeschlagen wurde. Isses nich schee…
Die Revolieu Bay ist ruhig und ursprünglich und von allerlei Getier und Kindern bevölkert, eine Backstube gibt’s auch.
11. Oktober 2025, Lamen Bay, Epi Island (Vanuatu)
Nur 8nm weiter gen NNE liegt die Lamen Bay, dahin geht’s zügig, mit ordentlich Druck und am Wind.
Die Bucht ist groß, ruhig und mäßig frequentiert. Dafür bietet sie hübsche Schnorchelmotive (man spricht von Turtles und Dugongs) und ein Dorf mit „Restaurant“. Benny, die Chefin, überredet uns zum Dinner, obwohl es keinen Fisch gibt, wegen des starken Windes der letzten Tage wäre keiner zum Fischen rausgefahren. Wie die meisten Dörfer in Brandenburg ist auch dieses langgestreckt, spärlich behaust und seine Magistrale von dicken, alten Bäumen gesäumt.
15. Oktober 2025, vor Malekula Island (Vanuatu)
Drei Tage Maskelyne Islands liegen hinter uns, dort soll die Heimat der Dugongs sein, also der Gabelschwanzsirenen, einer Seekuhart. Wir fahren mit dem Dinghy zu allen Tageszeiten und an alle Riffe, fragen die Eingeborenen nach den besten Plätzen („Yes, yes, many cowfish!“) und finden nix. Maman sieht vom Boot aus zweimal einen Luft holen und hört ihn schnauben, aber das war’s. Die Holländer, die neben uns ankern, haben schon öfter welche gesehen. Wir nicht. Das deckt sich mit unseren Angelerfolgen.
16. Oktober 2025, Wala Island (Vanuatu)
Wenn der Wind schon mal mit 5-6Bft. von achtern kommt, muß man das ausnutzen und 45nm bis Wala Island fahren, um rechtzeitig für eine Inselführung dort anzukommen, die einem noch während des Ankermanövers nett angeboten wird. Auf jeder Insel scheint es einen konzessionierten Touristenführer oder Yachtbeauftragten zu geben, der für 1.000 Vatu die Leute durchs Dorf, zu den alten Kastom-Places, den Gärten und seinem Haus führt und ein bißchen Obst, Gemüse und diesmal sogar Kawa verteilt. Maman ist so begeistert, daß sie ihre halbe Schale wieder zurück gibt.
Jedes Stück Land auf der Insel wird vom Häuptling an die einzelnen Stammesmitglieder vergeben, kaufen kann man keines. Die Touri-Konzession dann sicher auch. Alle Dorfbewohner (300 + x), denen wir begegnen, sind überaus freundlich und interessiert.
18. Oktober 2025, Surunda Bay, Espiritu Santo (Vanuatu)
Ein bißchen Tourismus muß sein, also entlang der Ostküste von Santo zur Mündung des Matevulu Rivers. Den kann man mit dem Dinghy hoch fahren, bis sich nach 1nm ein sogenanntes „Blue Hole“ auftut, ein Seitenbecken mit blauem, klarem und frischem Wasser. Ist natürlich kostenpflichtig, die Vanuatten sind nicht dumm. Aber schön isses, die Anfahrt erinnert stark an den Indian River auf Dominica und frühere Paddeltouren im Spreewald oder auf der Havel.
Unseren Ankerplatz in der Surunda-Bay (Surrender-Bay?) haben wir exklusiv, bis auf ein paar Pferde und zwei australische Angler am Ufer. Total ruhig, total entspannt, Zeit für Fachliteratur.
Mit dem Dinghy fahren wir an den Strand und laufen von dort zur Straße, ein LKW nimmt uns auf der Ladefläche mit nach Luganville, hier verproviantieren wir uns (oder ich mich, Maman reist übermorgen schon ab) im Rahmen der lokalen Möglichkeiten. Eier und Zitronen gehören leider nicht dazu.
21. Oktober 2025, Luganville, Espiritu Santo (Vanuatu)
Maman ist leider wieder abgereist, die Arbeit und der deutsche Herbst sind doch viel reizvoller als die Südsee. Ts, ts, ts…
Vorher haben wir noch den Champagner Beach besucht (leider bei etwas trübem Wetter) und ein weiteres, besonders blue’es Hole am Wegesrand. Neben den Kühen und Gemüseständen, die da auch ihr Habitat haben.
Heute bin ich nach Luganville zum Ausklarieren gefahren, ein zeitaufwendiger Vorgang mit drei Anlaufstationen, aber mit 12€ vergleichsweise günstig. Mit dem Clearance-Beleg darf man dann noch in den Duty Free Laden zum Einkauf, selbiger soll im Anschluß vom Zoll persönlich zum Ankerplatz gebracht werden. Darauf warte ich noch gespannt. Morgen früh geht‘s weiter Richtung Norden und Salomonen.
22. Oktober 2025, Surunda Bay, Espiritu Santo (Vanuatu)
Meine Duty-Free-Lieferung kommt natürlich erst heute Morgen, aber immerhin. 24 Stunden nach Ausklarierung muß man raus, also fahre ich pflichtbewußt los, aber nur in Richtung der nächsten Bucht, denn es herrscht komplett verregnete Windstille. Im Regen und ohne Sonne kann man aber keine Wasserfarben und damit auch keine Bommies erkennen, die die nächste Bucht jedoch enthält, und eine schmale Einfahrt obendrein. Dann motore ich lieber die 6nm weiter in die gute, alte Surunda Bay. Da ich den Track mit der Ein- und Ausfahrt gespeichert habe, kann ich quasi blind auf meinem alten Kurs dort reinfahren.
23. Oktober 2025, Port Olry, Espiritu Santo (Vanuatu)
Der Regen läßt nach, der Wind bleibt schwach. Hier an der Ostküste Santo’s soll die nächsten Tage auch keiner kommen, also motore ich die 30nm hoch nach Port Olry, schließlich muß ich zu Beginn der Zyklonsaison (offiziell ab 1. Nov) nahe genug am Äquator sein, um nicht von einem erwischt zu werden. Nördlich von 6°S sei man sicher, das hieße ab Bougainville. Da habe ich noch 850nm vor mir.
Port Olry entpuppt sich als einer der schönsten Ankerplätze überhaupt, perfekt geschützt, klares, blaues Wasser mit Sicht bis zum Anker in 6m Tiefe, unbewohnt, ringsum grün inklusive Sandstrand und einer kleinen, pittoresken Inselgruppe zum Schnorcheln. Nahezu paradiesisch, käme am Abend nicht die komplette Insektenpopulation zu Besuch an Bord.
25. Oktober 2025, Waterfall Bay, Vanua Lava (Vanuatu)
Die Gegend wird nicht häßlicher. Die Buchten auf den Leeseiten der Inseln - obwohl mind. 140° zum Ozean offen – sind erstaunlich ruhig. Und schön! Während die in Santa Maria nur überbordend grün ist, so ist die hier in Vanua Lava zusätzlich mit einem Doppelwasserfall bestückt, der nicht nur mich, sondern die gesamte Dorfjugend begeistert.
Heute habe ich zwar keinen Fisch gefangen, aber wenigstens mal wieder einen Köder verloren. Ansonsten ist das Segeln sehr angenehm und zügig, der SE-Passat steht momentan in voller Blüte. Luft und Wasser werden heißer, wir nähern uns demnach dem Äquator und dem Sommer.
26. Oktober 2025, Waterfall Bay, Vanua Lava (Vanuatu)
Neben dem überbordenden Grün, den doppelten Wasserfällen und den bezaubernden Sonnenuntergängen lerne ich ein wenig von der vanuatösen Wirtschaft und Kultur kennen. Die Ökonomie läuft fast ausschließlich über Tauschhandel, von dem es zwei Formen gibt:
- Mama Roseline, die für fünf Kinder zu sorgen hat, kommt mit ihrem Auslegereinbaum angepaddelt und fragt, ob ich Obst oder Gemüse bräuchte. Nachdem meine kleine Bestellung aufgenommen wurde, kehrt sie mit dieser am späten Nachmittag zurück und kriegt dafür ein altes T-Shirt, einen Kuli, Angelschnur und zwei Haken. Das ist bestimmt überbezahlt, aber ich freue mich über die ökologisch und ökonomisch günstige Tomatenverpackung und muß die Währung halt noch besser studieren.
- Die netten Jungs (wahrscheinlich), die mir mittags am Strand den Weg zum Wasserfall zeigen, nutzen die Zeit meiner Abwesenheit für einen Besuch an Bord und die zweite Form des Tauschhandels: sie geben nichts und nehmen dafür zwei Stirnlampen, das Fernglas und mein neues Handy mit.
Daß etwas fehlt und was, merke ich erst am Abend. Eigentlich wollte ich heute in aller Frühe weiter, nun wassere ich mein Dinghy wieder und werde ins Dorf zum Chief fahren. Weil Sonntag ist, geht das erst nach der Kirche, also verliere ich auch noch einen ganzen Tag.
Das gestohlene Handy mit meiner deutschen SIM ist ein echtes Problem, weil darüber die ganzen Verifizierungen für die Banken und Paypal usw. laufen. Und die Trottel können gar nichts damit anfangen, es läßt sich nur über Fingerabdruck starten. So eine S…
Immer noch 26. Oktober 2025, Waterfall Bay, Vanua Lava (Vanuatu)
Das Ende der Geschichte
Ich fahre erstmal zu der hier am Strand alleine lebenden Familie (es sind die Schweinezüchter, sie halten rund 100 Tiere in der nächsten Bucht und deshalb wohl Abstand), die kommen auch gleich herbeigeeilt und erklären, daß sie mich zum Chief begleiten und mir helfen würden.
Der Chief und der Pastor nehmen nach der Kirche mein Kava-Geschenk freundlich entgegen und hören sich die Geschichte mit ernsten Mienen an, dann beratschlagen sie kurz, der Chief tritt auf den Dorfplatz und erhebt seine Stimme, die Bewohner kommen herbei. Nach einer längeren Rede treten ein paar Leute an den Chief heran und erzählen ihm leise etwas, daraufhin ruft er nach dem Dorfpolizisten und erläßt wohl einen mündlichen Haftbefehl. Nach kurzer Zeit verrät mir meine Schweinebaronin flüsternd, daß sie den Dieb und meine Sachen bereits gefunden hätten. Nach einer längeren Versammlung etwas abseits und ohne Frauen kommen dann die drei Würdenträger und die anderen Dörfler zu mir rüber, geben mir meine Sachen zurück, verkünden das Geschehen (Ersttäter unter Marihuana-Einfluß: der Sekretär des Pastors) und entschuldigen sich vielmals. Ich bedanke mich, lobe das Funktionieren ihrer Dorfgemeinschaft und ihrer Justiz, beschenke die Lehrerin mit vorsorglich mitgebrachten Stiften und Blöcken und die Krankenschwester mit Betaisodona und Paracetamol und fahre mit den Schweinezüchtern zurück. Die kriegen noch einen Kaffee und Schoko-
plätzchen an Bord und sind spätestens jetzt auch vollkommen begeistert.
29. Oktober 2025, Shaw Point, Nendo (Salomonen)
170nm Richtung Äquator, 1 Nachtfahrt, 1 Einklarierung mit 5 Offiziellen an Bord: geschafft.
Das Schiff trocken halten und nichts kaputt machen: nicht geschafft.
Nachdem ich den Wassermacher 2h habe laufen lassen, will ich mal kontrollieren, ob der Tank nun voll ist: Füllstand: 0%. Aha, da wird der dämliche Geber wohl wieder klemmen, also mit der Faust drauf hauen: 0%. Nochmal, kräftiger: 0%. Ob er recht hat? Wenn das Wasser nur zu 0% im Tank ist, wo ist dann der Rest? Vielleicht darunter, in der Bilge? Deckel auf und reinguggen: 100%. Da isses also, wie schön! Wie kommt es denn dahin? Aha, die Wasserpumpe hat es dahin gepumpt, sie läuft ja immer noch und ist auch recht warm (hört man bei Motorfahrt nicht, die ersten 2h im Lee der Insel ist nämlich kein Wind). Nun, dann wird wohl irgendwo ein Leck im System sein, aus dem das Wasser austritt, das sollte man jetzt zeitnah finden. Aha, hinten im Sarg ist die Zuleitung der Außendusche geplatzt, wie schön. Da müßte man mal die Zuleitung abstellen. Aha, es gibt keine Abstellhähne im Schiff, man kann nur die Wasserpumpe ausschalten, mit den zu erwartenden Nebenwirkungen: nirgendwo mehr Wasser. Braucht man auch nicht, man ist ja damit beschäftigt, 180l davon aus dem Schifff zu pumpen.
Wenn man unter Windsteueranlage fährt, muß man das Steuerrad feststellen. Die kleinen Feststellschrauben reichen nicht, bei ordentlich Welle dreht es sich trotzdem, dann muß man es zusätzlich mit Gurtband festbinden. Bevor man auf den elektrischen Autopiloten zurückstellt, muß man das Gurtband aber wieder lösen. Sonst ist der Autopilot überlastet, statt des gekletteten Gurtbandes bricht natürlich mit lautem Knall die Antriebskette und alle Alarme fangen an zu piepsen. Das darf man nicht vergessen, auch nicht früh um Fünfe nach insgesamt nur 2h Schlaf, besonders dann nicht! Denn dann hat man keinen Autopiloten mehr und muß ab jetzt von Hand steuern. Das ist wichtig!!!
Die Überfahrt läuft zügig bei raumen 5 Bft. 170nm in 27h. Die Einfahrt in den Binnensee von Nendo ist breit und tief, außer mir ist keiner da. Juut!
Jar nich jut läuft die Angelei, ich angele ja vor Verzweiflung schon stereo, und diesmal schaffen es die beiden Leinen tatsächlich, Körperkontakt herzustellen. Das enstehende Knäuel ist sehr kompakt.
30. Oktober 2025, Shaw Point, Nendo (Salomonen)
Mit zwei von meinen noch vorrätigen drei Kettenschlössern werden die gebrochenen Glieder der Antriebskette ersetzt und der Autopilot geht erst mal wieder. Die geplatzte Warmwasserleitung habe ich abgeklemmt, solange man nur auf kalt stellt, kann man wieder duschen, ohne die Bilge zu fluten. So far, so good. Die undichte Stelle im Heckschott, durch die das Wasser in die Zentralbilge diffundiert, habe ich auch lokalisiert. Wenn ich die komplett abdichten würde, bliebe aus- (dem Duschschlauch) oder ein- (aus dem Meer) tretendes Wasser im Heckbereich. Soll es ja auch, aber jetzt sehe ich davor auf dem Boden die Datensteckverbindung, die zum Autopiloten geht. Wenn das Wasser dort steigt, läge die irgendwann komplett unter Wasser und der Autopilot wäre sicher hin. Wer so etwas baut, gehört ausgepeitscht oder ausgewiesen. Das wäre, als würde man einen Stecker in eine Verlängerungsschnur stecken und in die Badewanne legen.
Eigentlich wollte ich gerne die östlichste Salomonen-Insel Tikopia besuchen, die beherbergt nämlich eine polynesische Exklave in Melanesien. Die Insel wird in einem meiner Lieblingsbücher, dem „Atlas der abgelegenen Inseln“ beschrieben, u.a. weil die dortigen Polynesen über Jahrhunderte durch Euthanasie der zuviel geborenen Kinder die Bevölkerungszahl stabil gehalten haben, um die Versorgungsmöglichkeit der Insel nicht überzustrapazieren. Ordungsgemäß bitte ich um Erlaubnis, die Insel noch vor der Einklarierung in Nendo anlaufen zu dürfen, kriege aber von den Offiziellen eine Absage. Irgendwer hatte im Internetz geschrieben, es setze drastische Strafen, falls man da doch unerlaubt hinfahren würde. Aber wie wollen die das eigentlich rauskriegen? Beim nächsten Mal…
31. Oktober 2025, nordwestlicher Südpazifik, 190nm vor San Cristobal (Salomonen)
COG: 275°
SOG: 4,5kn
Wind: E 4Bft.
Wellen: 1,5m
Strömung: S 0,8kn
Wetter: heiter, 28°C
Segel: Passatsegel
Gestern Abend kommt Hilda, die Lehrerin, vorbei und schenkt mir Blumen (das ist mir schon seit Jahren nicht passiert!), Gemüse und freundliche Worte der Begrüßung. Ich bedanke mich mit einem Päckchen Batterien und einem Duschbad.
Ist doch gar nicht schlimm! Ein entgegenkommender Engländer, der von PNG über die Salomonen und Vanuatu nach Australien fährt, erklärt mir, daß die Salomonen die Vorstufe zu PNG seien, da könne man sich schon mal vorbereiten:
- Geld ist nichts wert, man braucht Tauschware (muß ich in Honiara unbedingt nochmal nachkaufen).
- Die klauen wie die Raben, man muß alles von Deck wegräumen und abschließen.
- Es gibt Krokodile, man darf nur kurz und keinesfalls in der Nähe von Mangroven baden.
- Es gibt Malaria, man soll in der Dämmerung alles mit Moskitonetzen sichern oder verschließen, lange Kleidung tragen und sich einsprühen (auch nachkaufen).
- Es gibt Gewitter, man sollte nicht vom Blitz getroffen werden.
Bis jetzt ist alles noch friedlich, ich habe Punkt 2 und 4 aber schon beherzigt. Die Literatur empfiehlt tatsächlich in den Salomonen und PNG eine Chemoprophylaxe, das hieße über die nächsten 5 Monate täglich eine Tablette Malarone schlucken, so viele habe ich gar nicht dabei. Die Alternative ist eben die Expositionsprophylaxe und die Notfalltherapie bei Auftreten von Fieber, Schwitzen und Frieren, Kopf- und Gliederschmerzen und u. U. Schüttelfrost und Durchfall. Werde mich jeweils vor Ort nach der aktuellen Situation erkundigen und bei Bedarf vielleicht doch Chemoprophylaxe betreiben.
Die Fahrt nach San Cristobal führt über 250nm fast direkt nach Westen, der Wetterbericht sieht auch noch friedlich aus, das hieße zwei Tage vorwindschaukeln bei östlichen Winden mit4-5Bft.
5. November 2025, Sandfly Island, Forida Islands (Salomonen)
Die Bucht auf San Cristobal ist rollig und ungeschützt, ich hänge lieber noch eine dritte Nacht dran und fahre weiter bis Honiara. Das wird allgemein als der schlechteste Hafen der Welt beschrieben. Und so ist es auch: der Wind steht voll drauf, ich ankere trotzdem in einer etwas entfernteren, empfohlenen Bucht und fahre an Land für die Behördengänge. Im örtlichen Yachtclub sagt man mir, daß ich direkt vor diesem ankern könne, es sieht hier auch wesentlich ruhiger aus. Aber ich finde keinen passenden Ankerplatz, sondern mich bei meinen Versuchen mal wieder auf dem Riff, komme aber selber frei (der Check des Ruders steht noch aus). Entnervt frage ich bei einem der rostigen Handelskähne, ob ich nicht längsseits gehen könne: kein Problem, die Typen springen sofort auf mein Boot und holen sich die Leinen. Nachdem ich heute früh wieder losgefahren bin, sehe ich allerdings, daß sie sich in der Zwischenzeit auch einen Fender geholt haben. Die gespendeten Zigaretten und die Biere waren ihnen wohl nicht genug. Außerdem hinterlassen ihre Füße deutliche Spuren von dem rostigen Deck ihres Kahns auf dem weißen Deck meines Kahnes.
In der Zwischenzeit habe ich mich immerhin in Honiara ganz gut verproviantieren können. Ansonsten ist die Hauptstadt der Salomonen in der Hauptsache dreckig und häßlich.
6. November 2025, Sandfly Island (Salomonen)
Das geht doch schon eher: lecker Korallen, Urwald und Holzhüttendörfer mit unaufdringlichen, nicht klauenden Ureinwohnern. „Simon’s Nature Reserve“ besteht aus zwei Moorings und Simon, dem örtlichen Yachtbeauftragten, der sich an etwas Tourismus und Naturschutz versucht, insbesondere geht es ihm um die Korallen, die er wieder aufforstet. Alle Boaties, die hier halten, unterstützen ihn dabei, ich gebe ihm neben einer Zahnbürste, Waschpulver und einer Tüte Reis mein altes Handy, damit er in die internationale Vermarktung einsteigen kann. Na ja…
Er hat Asthma, aber zu dem Thema habe ich natürlich gar nichts an Bord.
Die Seeschlange auf Bild 2 ist ca. 20cm lang, die Muschel auf Bild 3 ca. 100cm. Erstere ist giftig (da habe ich auch nix!!?) und zweitere (zumindest dem Namen nach) ebenso tödlich.
9. November 2025, Mbakui, Russell Islands (Salomonen)
Die 55nm zu den Russell Islands schaffe ich entspannt in einem Tag (der natürlich in aller Herrgottsfrühe beginnt), aber nun werde ich ausgebremst, kein Wind für die Weiterfahrt, nicht vor morgen Abend. Nun, dann muß ich es halt hier aushalten, bei 30° Luft- und 28° Wassertemperatur und viel Türkis um mich rum. Wird schon gehen.
Um die kleine Insel vor mir kümmern sich zwei „Caretaker“ aus dem 3nm entfernten Dorf. Sie leben immer für einen Monat hier, dann werden sie abgelöst. Es gibt ein Häuschen und ein paar Kokokspalmen, von denen sie gleich einige Früchte für mich pflücken. Einen Fisch kriege ich auch. Ich zahle mit Angelhaken, Zahnbürsten, Zigaretten und einem alten T-Shirt. Krokodile gäbe es keine, also nutze ich die Gelegeheit, um das Unterwasserschiff zu reinigen. Das Ruder hat übrigens einige Kratzer abbekommen, das schöne neue Coppercoat ist beschädigt, aber wenigstens nicht die Struktur.
13. November 2025, Mbili, Marovo Lagune (Salomonen)
Von Russell nach Peava sind es 60nm, der Wetterbericht verrät mir, daß ich die nicht von Sonnenauf- bis untergang schaffen werde, also fahre ich über Nacht und brauche auch fast 20h. Zu Beginn sieht es so aus, als käme ich noch viel später an, denn beim Druck auf den Startknopf bleiben der Motor und alles andere ruhig. Es stellt sich heraus, daß der Schalter verstorben ist und ich einen neuen (habe ich tatsächlich dabei!!) einlöten muß. Das Übliche also.
Peava hat eine geschlossene Lagune mit einer sehr engen und flachen Einfahrt und dem Yachtbeauftragten Eiwinn (geschrieben vielleicht Ywin oder Irwin?), der auch gleich mit seinem Einbaum und seiner Harpune ankommt und mich zum Speerfischen einlädt. Die Fische am Außenriff haben eher Aquariumsgröße, den einzigen akzeptablen Papageifisch trifft er tatsächlich aber (insgesamt haben wir 16 Fehlschüsse, er 14 und ich 2) und schenkt ihn mir zum Abendessen. Dazu mache ich mir Fritten aus Kochbanane und eine Sauce Tartare, das paßt.
Peava hat dazu die besten Holzschnitzer der Gegend, aber leider ist gestern auch hier jemand verstorben und sie tragen Trauer und dürfen nicht handeln und verkaufen. Dafür ist in Mbili, wohin ich heute tagsüber segele (sind nur 9nm) das Angebot offen und wird am Ufer und auch direkt am Schiff präsentiert. Ich kaufe allen drei Anbietern etwas ab, zum halben angesagten Preis zuzüglich Naturalien wie Brillen, Angelzeugs, Instantkaffee, Stiften und Heften, Kleber und Sandpapier. Bestimmt zuviel. Und ungerecht, die Verkäufer haben jetzt ganz viele Sachen, die sie gebrauchen können und ich einige wenige Sachen, die ich nicht gebrauchen kann. Aber die schön sind. Die ganz schönen und ganz großen Sachen kann und will ich mir aber nicht leisten. Die beiden Lobster will ich allerdings, auch wenn sie doppelt so teuer wie in San Blas sind.
14. November 2025, Wickham Harbour, Marovo Lagune (Salomonen)
Die Marovo-Lagune ist wie ein riesiger Binnensee mit vielen kleinen, grünen Inseln drin. Nix Südsee-Atoll, mehr Stockholmer Schären. Die Bewölkung heute ähnlich. Zwar wenig Solarstrom, dafür auch weniger Schweiß. Da ich auf der Suche nach der Ursache einer Fehlermeldung meiner Instrumente die Datenleitungen im ganzen Schiff abkriechen muß, bin ich ziemlich zügig so naß, als hätte ich gebadet. Was gar nicht hilft, weil Luft 32° und Lagune 30°. Da kann man nur hoffen, daß sich die Luft auf über 40° erwärmt, damit man wieder eine Abkühlung spürt.
Donaldson hat mir einen „bunch peanuts“ geschenkt. Daß Erdnüsse Schmetterlingsblütler und damit Hülsenfrüchte sind, weiß ich noch. Daß sie frisch und ungeröstet fast genauso schmecken wie grüne Erbsen, wußte ich noch nicht, ist aber ein weiteres Indiz.
15. November 2025, Viru Harbour, New Georgia (Salomonen)
Willkommen in den hohen Tropen!
Wenig Wind, viel Wasser von open.
Dann geht auch das Starlink nicht,
weil es ihm an Sicht gebricht,
da es - in aller Gnädigkeit -
für seine wicht’ge Tätigkeit
den freien Blick zum Himmel bräucht,
statt Wolken, Regen, Wetterg’leucht.
16. November 2025, Viru Harbour, New Georgia (Salomonen)
Wegen des Regens und der dauraus resultierenden Müdigkeit bleibe ich noch einen Tag und mache mit dem hiesigen Yachtbeauftragten Vilaka Sagu (und einer Schar Kinder) einen Rundgang durchs Dorf und die Gärten. Hier wird richtig Landwirtschaft betrieben, also erstehe ich Bananen, Papayas, Limetten, Chilis, Süßkartoffeln, Tomaten, Kürbis und Kokosnüsse. Außerdem kaufe ich ihm noch 55l Diesel ab, den er mit seinem Kippeleinbaum sogar ans Schiff liefert und den ich erstmal vorsichtig in meinen Kanister filtere. Er ist erstaunlich sauber und wasserfrei und kostet nur 1,06€/l. Bei der Windarmut in dieser Gegend sicher eine sinnvolle Investition.
Die Salomonen waren ja Kriegsschauplatz im WWII, demnach findet man hier auch noch einige Hinterlassenschaften der Japaner.
17. November 2025, Rendova Island (Salomonen)
Flaute, Squall, Regen, Westwind. So läuft das hier. Aber ich kann mich in kurzen Tagesetappen von Insel zu Insel und Bucht zu Bucht hangeln, das geht.
Gestern habe ich mein erstes Krokodil gesehen, in angemessener Entfernung und vom Boot aus. Im Gegensatz zu einem Eisberg sieht man wesentlich weniger als ein siebtel: nur die Nase, die Augen und ein paar Höcker vom Rückenpanzer. Und keinerlei Bewegung im Wasser, sondern nur, daß es sich ganz langsam in irgendeine Richtung schiebt.
Heute das zweite, das schiebt sich noch während des Ankerns in meine Richtung und verschwindet dann von der Wasseroberfläche. Bestimmt ist es jetzt direkt neben dem Boot und wartet auf’s Dinner. Der Dschungel ringsum klingt endlich wie ein solcher, Frösche, Pfeiffrösche und verschiedene Vögel bestimmen den Sound. Ob die Flughunde auch beteiligt sind, weiß ich gar nicht.
19. November 2025, irgendwelche Inseln, Vonavona Lagune (Salomonen)
Warwick Clay schreibt in seinem Buch „South Pacific Anchorages“ über die Vonavona Lagune: „It is the most beautiful lagoon in the Solomon Islands, being a pale turquoise colour due to the lime in the water.“ Recht hat er, es ist schön. Als Spezialist für türkis und für Gin Tonic muß ich aber anmerken, daß das Wasser schon fast zu grün ist, vielleicht sollten sie nicht so viel Limettensaft rein schütten, stattdessen etwas mehr Eis, um es unter 30°C zu halten. Die Wolken sind hilfreich bei 33°C Lufttemperatur, noch ein bißchen Wind wäre gut…
20. November 2025, Noro, New Georgia (Salomonen)
Das Abendlicht ist doch wunderschön! Es läßt alles so friedlich wirken, sogar das Grauen, das sich offenbart, wenn man die Ankerwinsch auseinandernimmt, weil sie nicht mehr funktioniert.
Komplett verschmorte Anschlüsse… Morgen, im Morgengrauen, heute nicht mehr…
22. November 2025, Noro, New Georgia (Salomonen)
Habe zwei Tage im Ankerkasten gelebt, konnte mich nicht melden. Die Kabel der Ankerwinsch sind auf den ersten 40cm verschmort und korrodiert, die mußte ich freilegen und abschneiden. Aber tatsächlich führt der hiesige Baumarkt - „Island Enterprises“ - Kabel in ähnlicher Stärke samt passenden Quetschverbindern und Kabelschuhen! Hilde, die hier hängengebliebene deutsche Einhandliegerin, hat sogar eine passende Quetsche! Das ist nicht direkt eine handliche Crimpzange, geht aber auch, dauert halt nur. Das Ergebnis meiner Arbeit: die Winsch funktioniert genausowenig wie zuvor, weil aber die neuen Leitungen jetzt mehr Strom durchlassen, fliegt noch die Sicherung raus. Schnelldiagnose: die Winsch ist im Eimer, entweder ist das Getriebe so schwergängig, daß sie verweigert, oder halt etwas anderes in der Art. Toll! Das Thema wird mich hier noch eine ganze besch… Weile festhalten.
Apropos beschissen: das komplette Boot ist selbiges, denn die hiesige Vogelwelt setzt sich mit Begeisterung auf den Mast, die Stage und Wanten und scheißt von da runter. Ihre Diät besteht hauptsächlich aus roten und blauen Beere, die Kacke ist entsprechend lila und dringt sofort ins Gelcoat ein. Mit Verscheuchen und Saubermachen wäre ich eigentlich volkommen ausgelastet. Hilde sagt, das mächten die erst, seit der Besitzer des Grundstücks alle Bäume am Ufer hätte abholzen lassen. Der Mensch soll einfach nicht in die Natur eingreifen, in den meisten Fällen ist er viel zu dumm dafür.
26. November 2025, Noro, New Georgia (Salomonen)
Die neue Ankerwinsch ist drin und funktioniert. Mein Leben im Ankerkasten hat ein (folgenschweres) Ende: es tut jetzt ziemlich viel ziemlich weh. Der Kette fällt es wesentlich leichter als meiner Wirbelsäule, die den Platzverhältnissen entsprechenden Knicke zu machen. Und blaue Flecken kriegt sie auch nicht. Egal, Problem gelöst. Gott sei Dank habe ich damals mit dem Kauf der Ersatzwinsch und deren Lieferung nach Tahiti (hat ewig gedauert) eine goldrichtige Entscheidung getroffen.
Mittlerweile sind auch fast alle Vorräte eingekauft, im durch die hiesigen Chinesenläden und den Gemüsemarkt vorgegebenen Rahmen. Kaffee gehört z. B. nicht dazu. Die Dieseltanks sind voll, das Visum ist auf drei Monate verlängert. Morgen findet der Generalangriff auf die Vogelkacke statt und übermorgen ist Abmarsch.
Das Tanken funktioniert hier übrigens noch auf die ganz klassische Methode: aus dem 200l-Shellfaß („drum“) per handbetriebener Kurbelpumpe in einen Maßkrug und von da in den Kanister.
Von Noro selber will ich keine Bilder machen.
30. November 2025, Gizo, Ghizo Island (Salomonen)
Den größten Teil der Strecke muß ich motoren, das neue Dinghy ruht dabei auf dem Vorschiff und - platzt. Wahrscheinlich hat es sich in der Sonne so stark erhitzt und ausgedehnt, daß sich eine Naht über 20cm öffnet. Toll! Sobald man die erste Stelle kleben muß, geht es Schlag auf Schlag weiter. Das Ankerlicht funktioniert auch nicht mehr, ich halte daher vor dem Fat Boys Resort, da liegt ein Schweizer Einhandkollege, der mich in den Mast ziehen kann. Die Kontakte bestehen aus knapp 1mm starken Messingstiften, die sind alle drei korrodiert und abgebrochen. Toll! Ich schneide eine alte Nadel in passende Stücke und stecke sie direkt an die Stummel, damit sie dort Kontakt haben und diese verlängern. Geht erst mal, wird aber nicht lange halten.
Im Fat Boys gibt es Mud Crab (Mangrovenkrabbe) und kaltes Bier, das entschädigt etwas.
Gestern Nachmittag wird der Wind auflandig und stark und macht Wellen, dem hilfsbereiten Schweizer Kollegen slippt der Anker, daher fahren wir beide weiter nach Gizo und legen uns sehr geschützt hinter die Insel Logha gegenüber der Stadt. Der Yachtbeauftragte A. J. bringt uns zum Dinner ins Gizo Hotel, die haben sehr gutes Yellowfin-Carpaccio, Tintenfisch und anderes Seafood. Scheinbar bin ich in die Touristenhochburg der Salomonen geraten.
Einer der ersten Touristen war übrigens John F. Kennedy, der 1943 als junger Navy Lieutenant hier Dienst tat und dessen Boot von den Japsen versenkt wurde. Er konnte mit den Überlebenden seiner Besatzung auf die kleine, unbewohnte Insel gegenüber dem Fat Boy Resort schwimmen und wurde eine Woche später mit Hilfe der eingeborenen Coastwatchers gerettet. Die Insel heißt jetzt natürlich Kennedy-Island.
3. Dezember 2025, Sandfly Bay, Vella Lavella (Salomonen)
Gizo liegt hinter mir, es soll laut Revierführer den Charme des vorletzten Jahrhunderts versprühen, aber der erschließt sich mir nicht wirklich. Der Markt ist okay. Dafür muß ich hier den teuersten Kaffee meines Lebens kaufen (110€/kg), weil ich Trottel in Port Vila nur ein statt zwei Kilo genommen habe. Früher wäre mir das nicht passiert, denn da wußte ich noch: wenn es etwas gibt, kauf alles, man kann es sicher irgendwann gebrauchen. Deshalb liegen zu Hause noch mehrere Rollen Rauhfasertapete aus Ostzeiten… Dieses Grundprinzip setze ich zwar jetzt um, aber halt zu einem hohen Preis.
Wind gibt es auch nicht, nur wenn mal eine Regenwolke vorbeikommt. Ich fahre in kurzen Tagesetappen zusammen mit TAMANGO nach Buri Village auf Ranongga Island und heute in die Sandfly Bay auf Vella Lavella. Beides sind komplett von Urwald umgebene Buchten, die erste ist bewohnt (haupsächlich von Kindern), die zweite nicht. Außer von Krokodilen (das mit Abstand größte bisher) und Delphinen. Schön!
6. Dezember 2025, Koroukasi Bay, Vella Lavella (Salomonen)
Unveränderte Situation: Wasser 31°C, Luft 34°C, kein Wind. Bis gestern sagt die Vorhersage noch 4 Bft. aus W für Sonntag vorher, heute schon nicht mehr. Da es 60nm bis zu den Shortland Islands sind, muß ich über Nacht fahren, um im Hellen anzukommen. Die Gegend hier ist nicht wirklich kartographiert, also helfen nur die eigenen Augen und Satellitenphotos.
Um mich herum in jeder Bucht die undruchdringliche grüne Hölle, mal mit Krokodilen, mal mit Fliegen und Mücken, mal mit Eingeborenen in ihren Einbäumen auf dem Weg vom oder zum Fischen. Einer will Zigaretten und 10€ Ankergebühr (kriegt er nicht), ein anderer nur ein bißchen schwätzen, ein weiterer verkauft Kokosnüsse.
Unveränderte Situation auch bei den anfallenden Reparaturen: heute ist der Druckschalter der Frischwasserpumpe gestorben und muß gewechselt werden.
10. Dezember 2025, Taro (Salomonen)
Die Shortlands sind einer Planänderung gewichen, es geht direkt nach Taro. Das ist zwar 10nm weiter, aber mit dem dann endlich nach mehreren Motorstunden einsetzenden Wind noch zu schaffen. Der setzt natürlich mehrmals und von allen Seiten ein und hat nichts mit der Vorhersage zu tun. Die Gegend ist halt tricky, sie heißt ja deshalb ITCZ = Immer Trickige Konvergenz Zone. Es gibt um Taro herum noch einige mögliche Inseln und Buchten, ich kann also notfalls ein wenig Tourismus betreiben, wenn es mir zu langweilig wird.
Taro ist die Hauptstadt der nordöstlichsten Salomonenprovinz Choiseul, das merkt man an dem vorhandenen Flughafen, der die halbe Insel einnimmt. Der Rest gehört dem Dreck. Die hier sehr schwarzen Melanesen kauen deshalb nicht nur Betelnüsse, sondern trinken obendrein noch massenhaft Whisky-Cola aus Büchsen. Das Getränk gibt es wie alles andere auch (z.B. teuren Diesel) nur gegen Bargeld, und das ist bei mir limitiert, denn sie haben keinen Geldautomaten. Da muß ich die nächsten Wochen wohl von der Substanz leben.
Je nach Tidenstrom ist das Wasser am Ankerplatz zeitweilig erstaunlich klar, kühl (29°) und krokodilfrei, ich kann wieder schwimmen gehen!
12. Dezember 2025, Taro (Salomonen)
Zwei - bis auf die Flaggen - identische Schiffe ankern neben mir, die TAMANGO und die MALAKA QUEEN, die eine trägt eidgenössisch und die andere gibraltös, beide sind Amel Super Maramus. Zusammen mit ein paar Eingeborenen machen wir ein BBQ am Strand, es gibt 2kg selbstgespeerte Fischlein, garantiert ciaguaterafrei, dazu Süßkartoffelsalat Thüringer Art und Hummus britisch-israelischer Art. Die weltweit beliebteste Grillmethode ist übrigens die hohe Flamme. Es schmeckt sehr gut, keine Nervenstörungen bisher.
Pünktlich zum 3. Advent habe ich auch meine diesjährige Deko fertig.
13. Dezember 2025, Taro (Salomonen)
Abwechslungsreiche Ernährung ist wichtig, also nehme ich das Angebot von den Jungs an, die gerade frisch geschlachtet haben und mit ihrem Kahn und ihrer Beute zufällig vorbeikommen und kaufe ein paar Kotelettes in der Originalverpackung.
Heute kommt auch die Fähre aus Honiara, es ist echt was los. Nur mit der Sonne nicht, ich muß den Benzingenerator bemühen.
18. Dezember 2025, Oema Atoll (Salomonen)
Auf den Markt gehe ich gerne, da ist es günstig und nett, man darf nur keine Mandarinen kaufen, die sind mit 50 Cent pro Stück völlig überteuert, Bananen kosten dagegen nur 10. Und mein Geld ist bekanntlich limitiert. Außerdem kann ich lecker Jackfrucht (gibt’s auch nicht überall) und Zitronen erwerben.
Wie überall gibt‘s in Taro auch eine Yamaha-Werkstatt (jedes Boot hier fährt einen Yamaha Enduro Zweitakter zwischen15 und 70PS). Von der kaufe ich Motorenöl für meinen Benzingenerator, seit gestern geht der Ölalarm an und daraufhin der Motor aus. Der Ölwechsel und das Auffüllen bringen nix, wieder Ölalarm. Jetzt ist aber definitiv genügend drin, also hängt bestimmt der Sensor. Ich nehme das Gerät fast komplett auseinander und lege den Sensor einfach still. Keine Beschwerden mehr.
Aus touristischen Gründen mache ich einen 20nm-Ausflug ins Oema-Atoll, das soll unbewohnt und sehr schön sein. Nun gut, kleine Inselchen, etwas Strand, aber leider auch etwas Schwell. Unbewohnt ist es nicht, gegen Abend kommen immer zwei Boote mit starken Außenbordern und bringen etwas zu den beiden Typen, die auf der einen Insel kampieren. Meinen Besuch finden sie überhaupt nicht passend und bedeuten mir, das Inselinnere nicht zu betreten. Das Atoll ist die letzte Salomoneninsel vor Papua Neuguinea: ich bin in ein Schmugglernest geraten. Übermorgen soll der passende Wind für die Rückfahrt wehen, den nehme ich dann wohl besser.
Beim Schwimmen kollidiere ich mit einer kleinen, häßlichen Qualle, erst juckt es nur ganz fürchterlich, doch am nächsten Tag ist die Haut an der Schulter weg. Jetzt fängt das wieder an… Jod, viel Jod!
19. Dezember 2025, Oema Atoll (Salomonen)
Die MALAKA QUEEN, die zwei Kabellängen östlich von mir ankert, hat den Schmugglern die Handys geladen und ihre Frischwasserkanister gefüllt und sich somit ihr Vertrauen erworben. Daraufhin bekommen wir nicht nur das Angebot, neben ihrem Vertrauen noch günstigen Rum aus Papua Neuguinea zu erwerben, sondern sind auch herzlich in ihr Camp eingeladen. Das besteht aus zwei Zelten und einem Dutzend junger Männer zwischen 15 und 35 Jahren und ist wirtschaftlich sehr breit aufgestellt: Haupterwerbszweig (neben dem Schmuggel) scheint das Tauchen nach Seegurken zu sein, sie haben eine komplette Tauchausrüstung inklusive moderner Tauchcomputer (die Biester leben auf 40-50m Tiefe) und einen Kompressor. Die Seegurken werden ausgenommen, in einem großen Topf gekocht und dann am Strand getrocknet. In Honiara bekämen sie für das Kilo 700US$. Das lohnt sich! Was die dann erst in China kosten, will ich gar nicht wissen.
Nebenbei speeren sie noch Papageifische (wir bekommen einen geschenkt), pflücken Mördermuscheln und räuchern sie (total zäh, nix für mich) und fangen Meeresschildkröten, die lebend und hilflos auf dem Rücken liegend für längere Zeit frisch bleiben. Das ist hier noch legal, alles wie früher. Aber die armen Viehcher tun einem leid und sie stinken außerdem. Das Angebot, gleich eine für uns zu schlachten und zu grillen, lehnen wir dankend ab, auch wenn das wohl die einzige Chance im Leben auf Schildkrötenfleisch war.
22. Dezember 2025, Taro (Salomonen)
Wir sind zurück in Taro. Der Oberschmuggler wohnt übrigens auf der Nachbarinsel und da wir jetzt seine Freunde sind, bietet er uns einen Ausflug mit seinem schnellen Schmuggelboot zum lokalen Wasserfall an. Der Weg führt durch dichten Dschungel entlang eines zunächst recht breiten, dann immer schmaler und schneller werdenden, braunen Flusses, in dem sich die Krokodile gut verstecken können (wir sehen keins). Ähnlich schaurig schön wie der Indian River auf Dominica, vielleicht etwas weniger schön, dafür mehr schaurig.
Mit gewaltigem Getöse stürzen sich die Wassermassen eines sauberen Bergflusses über die Kaskaden, mir ist es nicht möglich, darin zu stehen, es reißt einem die Beine weg. Nur am Rande geht es. Das Wasser ist herrlich frisch und es gibt sogar einen kleinen Whirlpool. Sehr schön!
26. Dezember 2025, Taro (Salomonen)
Wünsche Frohe Weinachten (gehabt zu haben)!
Am Heiligen Abend gehe ich in die katholische Kirche, eine evangelische gibt es hier nicht. Bei einem Lied kann ich sogar mitsingen: „Herbei, oh Ihr Gläubigen“, natürlich in englisch: „Oh come, let us adore him“. Die Kirche ist auch nur eine gößere Wellblechhütte, aber wenigstens mit etwas Pappmache´-Deko im typisch alpenländisch-salomonischen Stil.
Danach ist Bescherung, unter dem Räuchermännchen liegt ein spezieller Angelköder. Damit angeln die Eingeborenen vom Steg aus nach Tintenfischen, die auch unter meinem Boot herum schwimmen.
Meine große Bescherung habe ich bereits auf den Oema-Inseln bekommen: wunderschön zerstochene Beine, von den dort beheimateten Sandfliegen. Die heißen wissenschaftlich Phlebotomen, das klingt schon wie eine Krankheit. Und richtig, die Biester sind die Vektoren für Leishmanien, das sind einzellige Krankheitserreger (Protozoen), ähnlich den Malaria-Plasmodien. Die erregte Krankheit nennt man sinnigerweise Leishmaniose und es gibt sie in zwei Ausführungen: dermal als „Orient-Beule“ oder viszeral als „Kala Azar“. Letzteres ist Hindi und bedeutet „Schwarzes Fieber“, was wiederum den zutreffenden Schluß nahelegt, daß die Krankheit unbehandelt zum Tode führt.
Also, guten Rutsch!
29. Dezember 2025, Taro (Salomonen)
Kala Azar ist es vielleicht doch nicht, kann man auch noch nicht sagen, das hat eine Inkubationszeit von bis zu 7 Jahren (üblich sind 6 Monate). Aber dafür fange ich mir gestern eine andere böse Tropenkrankheit ein: Sonnenstich. Von unerklärlicher Arbeitswut getrieben, reinige und öle ich das Gelcoat des Dachs. Obwohl ich nicht erst seit gestern in den Tropen bin und vorschriftsmäßige Schutzkleidung trage (Hut mit breiter Krempe und Nackenblende, Sonnenbrille, UV-Schutz-T-Shirt langärmlig, Crocs), sind die 2h bei 37° in der Sonne zu viel: heißgelaufen. Kopfschmerzen, Nacken- und Gliederschmerzen, Darmgrummeln und Schlappheit machen mir bewußt, daß Arbeit nicht immer gut ist. Die Nacht wird nicht sehr erholsam, aber heute früh geht es etwas besser. Ich beschließe, nur das nötigste und nur im Schatten zu machen, z.B. die durchgeschwitzte Bettwäsche zu waschen. Ansonsten könnte ich unter dem Schiff - in dessen Schatten und im (31°) kühlen Wasser - noch den Kiel abkratzen.
Meine Haupttätigkeit der letzten Woche habe ich gestern bereits abgeschlossen: die Genua ist am Achterliek unten aufgerieben und braucht einen neuen Schutzstreifen. Nachdem ich sie runtergeholt habe, sehe ich, daß ich zusätzlich noch einige Meter Naht nachnähen muß, der Faden ist auch der Sonne zum Opfer gefallen. Am Rand kann ich mit meiner Haushaltsnähmaschine arbeiten, in der Mitte muß ich von Hand nähen, dafür ist der Arm der Maschine zu kurz. Das zieht sich.
1. Januar 2026, Taro (Salomonen)
Ich wünsche allen ein Frohes Neues Jahr und viel Glück in diesem!
Mögen Eure Batterien, Gasflaschen und Tanks immer voll sein!
Pünktlich zum Jahreswechsel um 12:00pm schießt die Bevölkerung ganze fünf Raketen in den Himmel und läutet kräftig an der Kirchenglocke. Das war’s.
Seit einer Woche laboriere ich an einem Schnitt in der linken Ferse, den ich mir beim Aussteigen aus dem Longboat an einer Muschel oder Koralle zugezogen habe. Nach zwei Tagen war eigentlich schon alles verheilt, dann habe ich mich irgendwo kräftig gestoßen und es ist wieder aufgeplatzt. Es eitert zum Glück nicht, aber näßt, ist großflächig geschwollen und schmerzhaft. Nun kann ich nicht mehr schwimmen gehen (die Stelle ist beim besten Willen nicht wasserdicht zu kriegen) und muß mich bei Landgängen so gut es geht hermetisch verpflastern, weil sonst der Straßenstaub in die Wunde kommt. Aber selbst das läßt sich nicht vermeiden. Und halt Jod, viiiel Jod.
Also habe ich etwas Zeit für künstlerische Versuche. Das Pseudonym des Malers ist Arthur van Intellens, ein moderner Impressionist mit Schlitzohren.
2. Januar 2026, Taro (Salomonen)
Die Ferse schmerzt fürchterlich, ich humpele ins Krankenhaus, um mir eine von lokalem Fachwissen gestützte Antibiotikumempfehlung zu holen. Das hätte ich schon vor einer Woche tun sollen, aber da tat’s ja noch nicht weh… Außerdem hatte ich mir das Krankenhaus mal (von außen) angeschaut und beschlossen, es unter keinen Umständen zu betreten. Innen wird es nicht besser, aber es ist eine sehr freundliche und kompetente Schwester vor Ort, die sich die Sache ansieht, alles reinigt, jodiert und verbindet und mir dann erklärt, daß sie in solchen Fällen immer Cloxacillin geben, ein Penicillin, das in Deutschland nur in der Veterinärmedizin zugelassen ist. Gutes Zeichen, dann ist es sicher hochwirksam! Sie darf Rezepte für einen Bedarf von bis zu 5 Tagen ausstellen und ich kann mir die 40 Kapseln von der Kollegin hinter der Apothekenklappe in ein Tütchen abzählen lassen, 5€, fertig.
7. Januar 2026, Kondakanimboko Island (Salomonen)
Zusammen mit meinen neuen holländischen Nachbarn verlege ich mich in die Nordbucht, die ist 2,5nm entfernt, ruhig, grün und nur 5m tief. Bei einem nächtlichen Squall vor Taro bin ich nämlich vorgestern 50m geslippt, auf eigentlich gut haltendem Sandgrund. Ts, ts, ts…
Das Cloxacillin wirkt, und das ist auch gut so. Nachdem ich es mir geholt habe, werden die Schmerzen nämlich so stark, daß ich nicht mehr auftreten kann. Höchste Zeit demnach! Mittlerweile sind sie fast vollständig weg, aber der Fuß schwillt mächtig an. Seit heute geht auch die Schwellung wieder leicht zurück und die Wunde hat sich (fast) geschlossen. Aber ich werde mit dem Schwimmen noch ein paar Tage warten, zumal die Krokodile bestimmt ein verletztes Opfer wittern.
Weil ich den Fuß hochlagern und kühlen muß und nicht viel machen kann, komme ich auf dumme Gedanken, z. B. dieses Jahr doch noch nicht den Indischen Ozean zu überqueren, sondern noch ein Jahr in Indonesien, den Philippinen, Thailand oder Vietnam zu verbringen. Wenn ich nun schon einmal in der Gegend bin… Ich werde in Indonesien sehen, wie es mir gefällt und ob mir Ostindien überhaupt zusagt. Die Ziele sind also momentan wieder mal unklar.
7. Januar 2026, Kondakanimboko Island (Salomonen)
Da ich wieder laufen kann, machen wir einen kleinen Ausflug ins Dorf am Ufer, das von vier Familien gebildet wird, also über 40 Einwohner hat. Die sind vor allem mit der Herstellung von Kopra befaßt und versorgen uns sofort mit frischer Kokosmilch und „vara“ oder „coconut apple“. Das ist der sich im Inneren der kurz angekeimten Nuß entwickelnde Keim oder Embryo, ungefähr 2-5cm im Durchmesser und noch wohlschmeckender als Uto. Man lernt nie aus.
Morgen endet meine achttägige Antibiotikatherapie und so, wie es aussieht, sind alle bösen Bakterien besiegt, die nicht an Bord gehören. Hier gehören nur Lactobakterien her: für meinen Sauerteig und meinen Joghurt. Aber kein Staphylococcus aureus und ähnliches Geschmeiß.
10. Januar 2026, Kondakanimboko Island (Salomonen)
Es findet ein lebhafter Tauschhandel an Bord und an Land statt, Kokosnüsse gegen Lollis oder Kaugummis gehen besonders gut, aber auch Mud Crabs und Kokoskrabben gegen Angelhaken, Eisennägel und Messer laufen nicht schlecht. Die Krabben gibt’s dann zum Dinner mit Spaghetti und Sherry-Zitronen-Sauce, tres bien!
Übrigens wird Copra hier über dem Feuer getrocknet, in einer Art Räucherkammer.
12. Januar 2026, Kondakanimboko Island (Salomonen)
Mit Henk und Marja von der DINA HELENA und ein paar Eingeborenen mache ich nochmal einen Ausflug zum Wasserfall, die beiden sind ebenfalls restlos begeistert, zumal wir diesmal noch ein kleines Krokodil am Ufer vor die Linse kriegen. Da meine Wunde geschlossen ist und es sich um Süßwasser handelt, sollte da nichts schiefgehen, außerdem trage ich Sicherheitsschuhe.
Martha ist einer meiner wichtigsten Kokosnußlieferanten.
17. Januar 2026, Kondakanimboko Island (Salomonen)
Mein holländischer Kollege hat das gleiche Problem wie ich: offene, infizierte Wunden an den Beinen. Ich erkläre ihm die Prozedur und er holt sich auch eine Ladung Cloxacillin in der Hospital-Apotheke, es wird nach einem Tag gleich besser.
Der bisher so schöne Ankerplatz läßt stark nach, seit drei Tagen herrscht massive Insektenplage: tagsüber ist alles voller Fliegen und abends kommen Minimücken (zum Glück stechen die nicht) und Brummkäfer. Morgens bin ich dann mit dem Erschlagen und Wegfegen der Reste beschäftigt.
Laut Wettervorhersage wird Bougainville in den den nächsten Wochen komplett vom NW-Monsun beherrscht, das ist ganz doof. Ich muß zumindest ein paar Tage finden, in denen er schwächer ist, gegen 5 Bft. will ich nicht aufkreuzen. Momentan scheint Donnerstag der beste Fahrttag, also mein 60. Geburtstag. Will der Wind mir ein Geschenk machen?
18. Januar 2026, Kondakanimboko Island (Salomonen)
Da die Kinder wohl keine Lust mehr auf Kaugummis haben, fahren wir an Land, um ein paar Kokosnüsse zu besorgen. Der eingeborene Kollege sammelt bereitwillig einige für uns ein und entbastet sie mithilfe eines in die Erde gerammten, angespitzten Astes. Da ich das mal gelernt habe, helfe ich ihm. Mein holländischer Kollege versucht es auch, stellt sich aber beim ersten Mal sichtlich ungeschickt an. Der Eingeborene fragt ihn neugierig, nach welcher Methode die Leute bei ihm zu Hause denn die Kokosnüsse entbasten würden. Henk erklärt, daß bei ihm zu Hause gar keine Kokosnüsse angebaut wüden, worauf sich der andere noch mehr verwundert: „Wieso das nicht? Das ist doch so einfach!“
22. Januar 2026, Taro (Salomonen)
Heute ist mein 60. Geburtstag, wie man sieht, bräuchte ich nach all den Jahren mal wieder einen Bart- und Haarschnitt. Immerhin kriege ich von meinen Nachbarn ein Ständchen auf nederlands und ein Geschenk. In dem Beutel sind vier Bier, das Beste, was man hier kriegen kann, außer Fisch + Kokosnüssen = lecker Ceviche!.
Morgen fahre ich weiter nach Buka am Nordende Bougainvilles, es soll über die ganze Strecke (135nm, 24h + x) fast windstill sein. Ich habe noch nie auf ein windfreies Wetterfenster gewartet, aber auch das ist das Beste, was man hier kriegen kann, außer 5 Bft. von vorne.
Ein neues Boot kommt an, Australier, die junge Dame hat wie ich heute Geburtstag, wird aber nur halb so alt.
25. Januar 2026, Buka, Bougainville (Papua-Neuguinea)
Es läuft gar nicht so schlecht, die knappe Hälfte der Strecke kann ich sogar segeln und erreiche Buka nach 28h, um 40l Diesel und einen Angelköder ärmer.
Der Ankerplatz macht einen sicheren Eindruck, die beiden Damen von Immigration und Customs kommen selbständig an Bord und sind nach einer halben Stunde fertig, ich hatte im Vorhinein aber alle ihre 20 Emails mit Fragen und Dokumentenwünschen abgearbeitet.
Da ich am Samstagmittag ankomme, sind alle Geschäfte zu. Eine SIM Karte gibt es frühestens am Montag, damit bin ich erstmal ohne Kontakt zur Außenwelt, PNG hat Starlink keine Lizenz erteilt, das schaltet sich hier einfach ab. Bezahlen muß ich den angefangenen Monat trotzdem.
Ich treffe die englische Hitchhikerin von der MALAKA QUEEN, die mittlerweile abgemustert hat und hier zeltet. Sie ist mit einer tropischen Giftpflanze („Gympie Gympie“) in näheren Kontakt getreten, die Schmerzen sind wohl so heftig, daß sie ins Hospital muß und eine Kortisoninjektion kriegt. Heute ist es schon besser, wir machen einen Spaziergang am Strand, bei dem sie sich nach drei Schritten den Fuß an einer Muschel aufschneidet. Ich gebe ihr Jod und alle meine guten Wünsche, denn das Thema ist heikel, wie ich weiß.
Die Hitchhikerin kommt mir gerade recht, um mich in den Mast zu ziehen, weil das Topplicht seit gestern ausgefallen ist. Oben stelle ich fest, daß es sogar abgefallen ist. Einfach weg. Toll!
In Buka gibt es einen Beach Club, der kaltes Bier und warmes Essen offeriert, das ist ein Quantensprung zu Taro, aber nach dem ersten Test koche ich fürderhin doch besser selber.
Morgen startet mein Versorgungsmarathon, im Prinzip brauche ich fast alles, von der SIM-Karte über Benzin, Diesel, Gas, Batterien und Bier bis hin zu Eiern und Mehl.
26. Januar 2026, Buka, Bougainville (Papua-Neuguinea)
Gas gibt’s schon mal nicht. Kein passender Adapter vorhanden.
Eine SIM-Karte habe ich, aber sie produziert keinen Hotspot und ich kann nichts vom Laptop hochladen. Grrr…
Da ich vorgewarnt bin, mach ich abends die Salontür zu und schließe sie ab. Als ich heute Morgen hoch komme, steht sie aber halb offen. Instinktiv schaue auf den Naviplatz, wo mein Tablet … lag. Toll!
Es gab also nächtlichen Besuch. Wie haben sie die Tür aufgekriegt? Aha, sie ist immer noch abgeschlossen! Test: abschließen funktioniert gar nicht, sie läßt sich genauso öffnen wie ohne Abschließen. Das hätte ich mal gestern schon testen sollen…
Ich werkele den halben Tag und bohre neue Löcher (2 Bohrer brechen, 3 glühen aus), nun läßt sie sich oben wieder schließen, aber unten ist ein Führungsstab weggebrochen und der andere kurz davor. Toll!
28. Januar 2026, Buka, Bougainville (Papua-Neuguinea)
Auf dem hiesigen Markt gibt es erstaunlich viel, z.B. Avocados, Mangostanen, Rambutan und mir völlig unbekannte, große, gelbe Stachelfrüchte. Und so eine Art Spinat, daraus entsteht (Toast gibt’s auch) ein „Ei Pazidikt“, sehr gut!
Rotwein gibt es dagegen nicht mehr, der wäre seit drei Wochen alle. Da war mein Schweizer Kollege hier und hat alles aufgekauft.
Meinem holländischen Kollegen von der MALAKA QUEEN hat man in Rabaul (da würde ich z.B. nie hinfahren) auch einen nächtlichen Besuch abgestattet, Laptop, Rucksack und Handy haben dran glauben müssen. Er hat etwas gehört und ist sofort in den Kampf gezogen, woraufhin die beiden Besucher letztendlich über Bord gesprungen sind, aber am nächsten Morgen mußte er sich ins Hopital begeben und am Hals (!) etwas nachnähen lassen.
An der unteren Schiene der Tür arbeite ich immer noch, das wird langwieriger. Der abgebrochene Führungsstab war übrigens aus knallhartem Aluminium, na was ein Wunder… Und woher kriege ich einen neuen?
29. Januar 2026, Buka, Bougainville (Papua-Neuguinea)
Die Tür ist total verfriemelt. Um den abgebrochenen Führungsbolzen aus seiner Schiene zu holen, die er jetzt blockiert, fräse ich eine dicke Verbreiterung in die Schiene, da kriege ich auch einen neuen Bolzen rein. Woher den nehmen? Aus der Ersatzteilkiste natürlich! Da liegt tatsächlich einer drin, unglaublich. Eingeschraubt wird er von unten, bei eingebauter Tür und einem Spalt von weniger als 2cm ein reines Geduldsspiel. Der hintere Bolzen, dem „nur“ die Rolle fehlt, ist hinter der Couch versteckt, an den kommt man überhaupt nicht ran. Dazu müsste erstmal die Couch raus. Nachdem ich bei der alle Schrauben entfernt habe, bewegt die sich aber noch lange nicht, keinen Millimeter. Toll!
Dann lasse ich das halt so und fasse die Tür nur noch mit Samthandschuhen an und schiebe sie ganz langsam und vorsichtig. Abschließen kann ich sie ja nun wieder.
Meinem holländischen Kollegen in Rabaul hat man mittlerweile auch sein Dinghy samt Außenborder und sein SUP geklaut. Bis auf den Außenborder hat die engagierte Polizei aber alles wiederbeschafft. Er beschäftigt jetzt zwei Familienangehörige der Polizistin, die abwechselnd Tag und Nacht im Cockpit Wache halten.
Die gelbe Stachelfrucht ist übrigens eine Durian-Art, also eine Stinkfrucht. Im Vergleich zu denen, die ich bisher gegessen habe, aber sehr mild und fruchtig. Vielleicht die Urform, sie hat nur wenig Fleisch und viel Schale.
30. Januar 2026, Buka, Bougainville (Papua-Neuguinea)
Auf der DINA HELENA wird selber Ginger Ale produziert, das adaptiere ich natürlich sofort, denn in Gegenden, wo es kein Sprudelwasser gibt, ist das DIE prickelnde Alternative. Ingwer und etwas Zucker in Wasser aufkochen, abkühlen lassen, in Flasche füllen, eine Messerspitze Trockenhefe dazu, zwei Tage warten, dann in den Kühlschrank und am dritten Tag: zischhhhh! Schmeckt sehr gut, ist nicht süß und moussiert. Kann Spuren von Alkohol enthalten, aber zum Frühstück muß man ja kein Ginger Ale trinken. Mittlerweile experimentiere ich mit Ananasschalen und überreifen Bananen, auch nicht schlecht!
Das australische Boot mit der jüngeren Jubilarin fragt, ob sie meine Nummer an ihren Freund Micah weitergeben dürften, der wäre Polizist auf dem Nuguria Atoll und zur Zeit in Buka und würde gern mal vorbeikommen. Klar, warum nicht. Er kommt schon am nächsten Tag und fragt seinerseits, ob ich nicht ein bißchen Reis nach Nuguria mitnehmen könnte, den er hier für seine Familie eingekauft hätte, sie müßten mit dem offenen Longboat zurückfahren und dann würde der vielleicht naß.
Nachdem ich zwei Tage in die Tür vertieft war, gucke ich heute mal nach dem Wetter und stelle fest, daß ich nicht nach Nissan komme wegen NW-Monsun und nach Nuguria nur morgen oder vielleicht noch übermorgen, danach ist bis auf weiteres Flaute von vorn.
Ich sage dem Wachtmeister also Bescheid, er rückt daraufhin mit seiner Crew und einer Schiffsladung Reis und Mehl an, die das ganze Atoll in den nächsten 3 Monaten ernähren kann, ca. 300kg. Als Belohnung stellt er mir Lobster in Aussicht. Und persönlichen Schutz, hoffe ich doch.
2. Februar 2026, Nuguria-Atoll (Papua-Neuguinea)
Nichts. Nichts außer Kokosnüssen und Fisch. Auf Penrhyn gab es immerhin Internet und einen „Laden“, in dem man Bier und Tabak kaufen konnte. Hier leben etwa dreimal soviel Menschen (auch Polynesier, übrigens), aber das einzige, was sie mit der Außenwelt verbindet, ist ein altes Kurzwellenfunkgerät, das in der modernen Welt gar nicht mehr vorkommt. Die erste Frage nach der Begrüßung ist dann auch: "Do you have WiFi?". Nein, habe ich nicht, Starlink hat in PNG keine Lizenz. Um das hier zu veröffentlichen und Emails zu versenden, muß ich meinen Ankerplatz vor dem Dorf verlassen und tiefer in die unbewohnte Lagune hinein fahren. Da ist Starlink dann wieder verfügbar.
Ich spende Paracetamol und Pflaster und bekomme Kokosnüsse und eine Inselführung von Chief Bryan. Gestern ist jemand gestorben, daher werde ich zum Friedhof geführt, auf dem die Gräber mit bunten Tüchern und umgedrehten Tassen und Tellern geschmückt sind. Auch eine Möglichkeit.
Die letzten zwei Drittel der 125nm hierher kann ich segeln, hart am Wind, zum Ende muß ich sogar reffen. Es setzt ein Oststrom mit 2kn, der hier wohl zur Grundausstattung gehört. Da ich, um nach Kavieng, meinem nächsten Etappenziel, zu kommen, fast direkt nach Westen muß, kann ich mich schon mal auf eine maximale Reisegeschwindigkeit von 4kn einstellen. Toll.
Wie immer habe ich keinen Fisch gefangen, aber einen Köder verloren.
3. Februar 2026, Nuguria-Atoll (Papua-Neuguinea)
Die Eingeborenen sind begeistert von meinem neuen Ankerplatz und kommen auf allem, was schwimmt, um mein WLAN zu nutzen. Das Cockpit und die schattigen Plätze sind gut gefüllt, der Rest bleibt in den Booten und damit in der direkten Sonne. Okay, die sind das gewöhnt. Ich kriege Hitzepickel.
Gegen Nachmittag baue ich ich das Starlink auf eine 24V-Stromversorgung über das Bordnetz um, damit ich nicht immer den 230V-Inverter laufen lassen muß, der Stromverbrauch damit entspricht dem meines Kühlschranks. Ein willkommener Anlaß, das Ding erstmal abzuschalten und alle nach Hause zu schicken. Für morgen habe ich von 09:00 – 12:00 Uhr Sprechstunde angesetzt.
Jetzt ist es hier total friedlich, einige Motus in mittlerer und größerer Entfernung, ansonsten: nichts. Glattes Wasser, Sonne, leichte Brise, Ruhe.
Was ist Freiheit?
Friedrich Engels, dessen Lehren ich seinerzeit neben denen eines gewissen Karl M. intensiv studieren durfte, meinte: „Freiheit ist die Einsicht in die Notwendigkeit.“ Das hieße zuerst mal, Freiheit ist nichts Objektives oder gar Materielles, Freiheit ist eine Einsicht, eine Einstellung, ein Gedanke, eine Idee.
Und was heißt „notwendig“? Daß ich die Naturgesetze anerkennen muß, ja, selbstverständlich. Aber was ist mit den menschlichen Gesetzen?
Wenn mir niemand sagt, was ich machen oder nicht machen soll, wenn ich also machen kann, was ich will, bin ich dann frei? Es gibt aber immer irgendwen, der mir irgendwas sagt, ich bin gefangen in einer Welt voller Gesetze und Vorschriften. Das ging mit den 10 Geboten vor vielen Tausend Jahren schon los. Mittlerweile sind es sicher hunderttausend Gebote, die ich einhalten muß. Aber auf See sind die weg. Alle. Bis auf die ersten beiden von den 10. Nun gut, ich darf auch kein Altöl ins Meer kippen und keinen Wal fangen. Und selbst wenn, das würde gar keiner mitkriegen…
Westlicher Südpazifik, nachts, 30°C, 4 Bft. von backbord achtern, das Schiff rollt leicht und langsam in einer langen Dünung von einer Seite zur anderen und fährt mit 6kn voraus. Keine Wolken, stattdesssen der Orion und das Kreuz des Südens (viel mehr kennne ich sowieso nicht) und noch ein paar Millionen andere Sterne. Das Kielwasser rauscht und gurgelt, sonst ist nichts zu hören oder zu sehen, kein Licht am Horizont, kein Signal auf dem AIS. Die nächste Insel ist 200nm voraus und gehört zu Vanuatu, die letzte ist 300nm achteraus und gehört zu Fidschi. Ich bin auf dem Weg von einem Paradies in das nächste. Freiheit? Ja, fühlt sich so an.
Ist Freiheit ein Gefühl?
Östlicher Südpazifik, nachts, 24°C, 7 Bft. aus wechselnden Richtungen, ein Squall nach dem anderen, zwischendurch Flaute, dann waagerechter Regen, stockdunkel, es pfeift und jault in den Wanten, die Brecher krachen gegen die Bordwand, die Instrumente und der Kompaß sind kaum zu erkennen. Ich muß von Hand steuern, weil es die Windsteueranlage und der Autopilot nicht mehr schaffen, dabei reißt die Steuerkette. Es gibt ein zweites Ruder, dann muß ich das jetzt benutzen, da sind zwar keine Instrumente angebracht, aber die sehe ich wegen des Starkregens sowieso nicht mehr. Das Großsegel habe ich mittlerweile komplett weggerefft, ich versuche, nur mit der Fock vor dem Wind abzulaufen. Das führt mich nicht zwangsläufig dahin, wo ich hin will, also also auf die Tuamotus, sondern mal zurück auf die Cook Inseln und mal in Richtung Nordpol oder Südpol. Von einer Vorhölle in die nächste. Ich bin müde und naß und mir ist kalt und ich habe Angst.
Freiheit? Was soll das sein und wer braucht das?
7. Februar 2026, Nuguria-Atoll (Papua-Neuguinea)
Zweite Chance! Auch in Nuguria werden Schildkröten „eingesammelt“. Als das Boot mit seiner Beute vorbeikommt, ist eine schon geschlachtet, aus dem Panzer geschlagen und zerwirkt, deshalb nehme ich ein Stück. Es scheint sich um eine Suppenschildkröte bzw. Grüne Meeresschildkröte zu handeln, aber Suppe ist nicht so mein Fall. Man findet bei „Chefkoch.de“ komischerweise keine Rezepte für Schildkrötensuppe, -schnitzel o.ä., nur für „Falsche Schildkrötensuppe“ (die ist aus Kalbfleisch). Aus dem, was an Bord vorhanden ist, entsteht ein Turtle-Banana-Curry mit frisch gepreßter Kokosmilch, also etwas ziemlich Authentisches. Tres bien! Das Fleisch schmeckt recht neutral, vielleicht wie Hähnchen, ist aber etwas fester.
Auf Penrhyn wurde der Müll noch gesammelt, verbrannt und vergraben. Ich frage vorsichtig nach, was sie hier damit treiben: nicht diesen Aufwand.
Heute Morgen um acht sehe ich schon ein Paddelboot auf mich zu kommen, ca. 300m hinter mir ist es plötzlich verschwunden und ich höre ein dünnes Stimmchen um Hilfe rufen. Ein Arm ragt aus dem Wasser, das Handy darf nicht naß werden. Leider sind bei meinem Dinghy erneut drei! Nähte gerissen, es liegt luftlos auf dem Vorschiff zum Kleben. Ich greife Flossen, Brille, Schnorchel und Rettungsring und mache mich auf den Weg. Relativ schnell bin ich am Ort des Schiffbruchs angekommen, von dem Kippelkahn keine Spur, gesunken. Der Rückweg gegen die Strömung dauert eine halbe Stunde, zweimal muß ich umkehren, weil das Opfer den Rettungsring losgelassen hat. Zunächst sitzt es ganz verzweifelt auf der Badeplattform, nach einem heißen Tee, einem Marmeladenbrot und der Entdeckung, daß das Handy noch funktioniert, kehren ein paar Lebensgeister zurück und sie erinnert sich, weshalb sie überhaupt gekommen ist. Der Einbaum muß gesucht und möglichst auch gefunden werden, hier können sie keine bauen, sondern müssen welche aus Honiara besorgen.
8. Februar 2026, Nuguria-Atoll (Papua-Neuguinea)
Die Rettungsmannschaft unter Leitung von Polizist Mycah braucht nur eine halbe Stunde, um den abgesoffenen Kahn zu bergen, unglaublich! Der ist übrigens aus GfK, deshalb sinkt er so zügig, ist schwer herzustellen und bestimmt auch teuer. Da hat „Shipwreck-Sandra“ also nochmal Glück gehabt.
Meine Zwiebeln gehen zur Neige, keine Chance auf Ersatz. Keine Zwiebeln, kein Knoblauch, kein Ingwer, keine Kartoffeln. Nur Sachen, die weit oben wachsen: Bananen, Papaya und Kokosnüsse. Letztere wachsen zum Teil sehr weit oben, die höchsten Palmen sind über 110 Jahre alt und tragen immer noch. Sie heißen „german palmtrees“, weil sie damals während der deutschen Kolonialzeit angepflanzt wurden. Deutsche Kokospalmen waren schon immer die besten, ganz klar.
Wo ist Freiheit?
Auf dem weiten Meer? Was ist dort anders? Es ist niemand da! Kein Mensch im Umkreis von manchmal 1000nm. Kein menschliches Machwerk, keine Grenze, kein Zaun. Nur die Natur setzt hier die Grenzen: der Wind und die Wellen. Aber im Ernstfall unerbittliche. Tödliche vielleicht. Bin ich dort dennoch frei?
Das Meer selbst ist frei. Es ist der letzte Ort auf diesem Planeten, den der Mensch noch nicht erobert und besetzt hat. Auf dem Mount Everest stehen sie Schlange, auf dem Kilimandscharo treten sie sich fast tot, die Antarktis ist zwischen den Nationen aufgeteilt und mit Forschungsstationen bestückt, in der Sahara baut man Solarplantagen. Nur das Meer verweigert sich, es ist stärker und wird es auch bleiben. Der Mensch kann darauf herumfahren, es aber nicht besitzen.
Und wer will schon auf‘s Meer? Wirklich nur auf‘s Meer? Da gab und gibt es einige Verrückte, klar, aber das sind nur ein paar Hand voll. Kennt jemand einen? Außer mich? Wenn man den Seglern ihre Häfen, Ankerplätze und Beach Bars wegnimmt und den Kreuzfahrern ihre All-Inclusive-Armbändchen und ihre abendlichen Shows, ihre Swimmingpools und Landausflüge: wieviele von denen zieht es dann noch auf‘s Meer? In die Freiheit? In das letzte Paradies?
Sobald ich in einen Hafen komme, ist sowieso Schluß mit Freiheit. Dann bin ich gefangen: ich muß die gelbe Flagge setzen und auf die Einklarierung warten, vorher darf ich das Schiff nicht verlassen. Meist kommen 5-6 schwergewichtige Beamte an Bord, kontrollieren meine Papiere und das Boot und kassieren mehr oder weniger hohe Gebühren. Immigration (die Einwanderungsbehörde), Customs (der Zoll), National Healthcare (die Gesundheitsbehörde), Biosecurity (die Überwachungsbehörde für biologische Sicherheit) und Agriculture (das Landwirtschaftsministerium) sind meistens vertreten. Erst wenn alle zufrieden gestellt sind, werde ich in die Freiheit entlassen.
Je mehr Menschen, desto weniger Freiheit? UNiform = UNfreiheit?!
10. Februar 2026, Nuguria-Atoll (Papua-Neuguinea)
Und täglich klebe ich mein Dinghy. Immer, wenn eine Stelle getrocknet ist und ich die Schraubzwingen abnehme, finde ich irgendwo anders eine neue. Der Kleber löst sich an allen Nähten. Katastrophe. Das kann nicht an der UV-Belastung liegen, sondern liegt mit Sicherheit an der hohen Temperatur. Ich schleppe es ja schon seit 2 Jahren als Ersatzteil in der Backskiste durch die Tropen, das wird wohl der Grund sein. Vor Indonesien gibt es bestimmt kein neues. Ob der Kleber reicht?
Ohne Dinghy ist es auch schlecht mit Landgängen oder Schnorchelausflügen.
Erst ab Mittwoch nächster Woche ist Ostwind angesagt, solange kann ich hier noch kleben (bleiben).
12. Februar 2026, Nuguria-Atoll (Papua-Neuguinea)
Und täglich schließt sich das Wetterfenster, das am Vortag noch eine Segelmöglichkeit versprochen hat. Es klebt also weiter, das Beiboot auf dem Vordeck und das Hauptboot in der Lagune.
Und täglich kommen meine Internetgäste, die Bürozeiten halten sie allerdings nicht für bindend. Insbesondere der Polizist und der Dorfvorsteher kommen, wann sie wollen. Nachdem der Dorfvorsteher gestern seine Sitzung beendet hat und weggefahren ist, kommt er nach fünf Minuten mit zwei dicken Stachelmakrelen wieder, die er auf den ersten 500m des Rückwegs gefangen hat und die noch zappeln. Ich lasse mir von einer ein Stück herausfiletieren, bitte aber darum, das Tier vor dem Filetieren zu töten. Die haben hier einen völlig anderen Umgang mit ihrer Umwelt. Kokosnüsse, Zitronen und Zwiebeln sind noch da, also gibt es Poisson cru. Nachts überkommt mich dann so ein starker Juckreiz, daß ich aufwache und ewig nicht mehr einschlafen kann. Ciguatera!?! Keine weiteren Symptome, und die Eingeborenen haben von dieser Krankheit noch nie gehört.
Den Rest im Kühlschrank werde ich trotzdem lieber entsorgen.
14. Februar 2026, Nuguria-Atoll (Papua-Neuguinea)
Heute gibt’s Sturm zum Frühstück. Die MALAKA QUEEN kommt an, ankert vor dem Dorf und bringt grausliches Wetter mit: reichlich Regen und Wind bis 8Bft. aus SE. Der wirft etwas Welle auf an meinem Ankerplatz, die Badeplattform wird davon hochgerissen und ihre Holeleine bricht. Naja, kein Beinbruch.
Das Dinghy ist mittlerweile an 14! Stellen geklebt, im Moment scheint es die Luft zu halten, ich puste es aber nur ganz vorsichtig auf.
Übermorgen oder am Mittwoch geht es weiter.
Woher kommt Freiheit?
Im Jahre 2008 bei einer Familien-Ostseetour begegnen wir vor Sankt Petersburg einem deutschen Einhandsegler, einem sympathischen, älteren Herrn aus Oldenburg (Vater einer unserer aktuellen Segelikonen übrigens) mit eher 68er Vergangenheit und entsprechender Weltsicht. Neugierig und erfreut, einen richtigen Ossi kennzulernen, stellt er interessierte Fragen, z.B. was die Wende für mich bedeutet hätte. Meine Antwort damals: „Ich habe die Freiheit erlangt!“ versteht und akzeptiert er nicht so ganz, sondern argumentiert, daß man ja in der westlichen, kapitalistischen Welt auch nie frei, sondern immer vielen ökonomischen Zwängen unterworfen sei. Trotzdem war ich damals der Meinung (und bin es heute noch), daß ich vor der Wende definitiv nicht frei war, danach aber schon.
Erkenne ich Freiheit erst in dem Moment, wenn ich sie bekomme?
Weiß ich nur, was Freiheit ist, wenn sie mir entzogen wurde?
16. Februar 2026, Nuguria-Atoll (Papua-Neuguinea)
16 Klebestellen mittlerweile, aber gestern bin ich damit zum Abendessen auf der MALAKA QUEEN gewesen und brauchte nicht nachzupumpen. Stattdessen ist mir auf der Rückfahrt die Festmacherleine in die Schraube gekommen und hat diese so überzeugend blockiert, daß ich den Rest des Weges rudern mußte. Dabei ist eine Ruderhalterung gebrochen, weil aus stabilem Plastik. Naja, kein Beinbruch. Vor dem Frühstück war alles wieder repariert.
Wegen angesagter Gewitter mit NE-Wind und weil mir auch langweilig wird, fahren wir an die Ostseite des Atolls, da gibt es ein wenig mehr Grün und auch einen Korallenkopf zum Schnorcheln mit ein paar Fischen und vielen Mördermuscheln.
18. Februar 2026, westlicher Südpazifik, 80nm vor den Tanga Islands (Papua-Neuguinea)
Am letzten Abend kommt doch noch der versprochene Lobster, nach dem Farewell-Dinner auf der MALAKA QUEEN. Und am nächsten Morgen kurz vor der Abreise noch eine Kokosnußlieferung für den Weg und eine Muschelkette als Erinnerung. Geht doch! Die Polynesier sind halt die Besten.
Jetzt bin ich raus aus dem Atoll und warte auf den versprochenen Ostwind, der soll aber erst in drei Stunden langsam einsetzen, mit Verspätung. Ich habe Zeit, die 90nm werde ich ja wohl in 24h schaffen.
Wieviel Freiheit brauche ich?
Westlicher Südpazifik, nachts, 29°C, 3-4Bft. von vorne, ich kreuze von den Salomonen nach Bougainville, Papua-Neuguinea. Zuhause ist heute mein 60. Geburtstag, ich bin alleine unterwegs und müde, es ist mühsam. Im Allgemeinen verbringt man so einen Tag in aller Ruhe mit der Familie oder mit einer großen Party mit allen Freunden und Bekannten. Ersteres hatte ich zumindest am letzten Ankerplatz, aber heute muß ich in aller Frühe los, sonst dürfte ich am nächsten Tag gegen 5-6Bft. aufkreuzen oder laut Wettervorhersage mindestens zwei Wochen auf einen Winddreher warten, um weiterzukommen. Ich fühle mich nicht frei, sondern genötigt.
Ist Freiheit die Möglichkeit, eigene Entscheidungen treffen zu können?
19. Februar 2026, Sungkin Bay, Boang, Tanga Islands (Papua-Neuguinea)
Sonnenschein, glattes Meer, leichter Rückenwind, Passatsegel, – paßt. Es geht nur langsam voran, aber ich habe ja Zeit. Ab früh um vier ändert sich das, mehr Wind, und nicht wie angesagt aus ESE, sondern aus ENE bis SSW. Unter Passatsegeln fährt man erstmal eine Weile in Richtung Nordpol, bis man einsieht, daß es wohl doch kein vorübergehender Winddreher ist und die Spibäume mühevoll wegbaut. Und Regen, reichlich Regen.
Das Dorf am Zielort ist wiedermal sehr ursprünglich, der Chief empfängt mich und lädt mich für morgen zum Essen ein, aber ich werde wohl morgen weiter fahren, da soll angeblich noch SE wehen, für übermorgen ist Flaute und danach NW-Monsun angesetzt. Vorher flicke ich schnell noch mein Dinghy, denn der Backbordschwimmer moussiert schon wieder. Der Ankerplatz ist auch recht offen und schwellig, und bei den volatilen Winden und Gewitterböen…
21. Februar 2026, Lakakot Bay, Lihir Island (Papua-Neuguinea)
Die Sonne scheint, die Passatsegel ziehen, draußen pfeift jemand. Ungewöhnlich, wer pfeift auf dem weiten Meer? Ick jeh raus un kieke: hinter mir schwimmt ein dicker Pottwal und bläst hin und wieder. Wahrscheinlich pennt er und pfeift beim Schnarchen. Jedem ungewöhnlichen Geräusch an Bord ist sofort nachzugehen!
Die Lakakot Bay ist sehr schmal (Platz für maximal 2 Boote), aber dadurch auch sehr ruhig und frei von Schwell. Am Ufer betreibt Mark, der dicke Australier, ein relativ großes Ressort, das aber nicht für Touristen gedacht ist, sondern für Geschäftsreisende und Bauarbeiter auf Montage, im Moment sind ein paar Straßenbauer die einzigen Gäste. Früher lief das wohl mal besser, jetzt ist es viel zu groß für die Nachfrage. Es gibt eine „Bar“ mit kaltem Bier und Cola, Erdnüssen und Chips. Ein Hauch von Zivilisation, aber da mein Bier fast alle ist, nehme ich den gerne. Und meine lokale Digicel-SIM-Karte findet sogar einen Mast mit zivilisiertem Signal in der Nähe, auch gut, denn mein Starlink hat sich exakt 500m vor der Bucht abgeschaltet.
23. Februar 2026, Lakakot Bay, Lihir Island (Papua-Neuguinea)
Hier gefällt’s mir, alles ruhig und friedlich, der Ressort-Chef und seine Mitarbeiter sind freundlich um mich bemüht. Hin und wieder paddelt mal ein Eingeborener vorbei und grüßt oder will schwatzen, z. B. Denisson, der Philosoph der Insel, hauptberuflich schlichter Fischer und Kokonußsammler, wie alle. Er fragt, ob ich das Schiff selbst gebaut hätte.
Nein, selbst gekauft.
Wieviel es denn gekostet hätte?
1 Million Kina.
Woher ich denn soviel Geld hätte?
Ich habe mein Haus verkauft und davon das Schiff gekauft.
Jetzt Originaltext: „So you throw your money into the ocean?“
Heute früh um sieben fahre ich mit dem Inselbus (ein LKW mit mehreren Brettern quer über der Ladefläche, ich darf zum Glück vorne beim Fahrer sitzen) anderthalb Stunden bis in die Hauptstadt Londolovit zum Großeinkauf, der auch relativ erfolgreich verläuft. Die Tour führt über Schotterpisten und durch die örtliche Goldmine, die eigentlich ein riesiger Tagebau ist. Seit 30 Jahre wird sie betrieben, seit 2 Jahren von der weltgrößten Goldbergwerksgesellschaft (Newmont, USA), die hier mit 5.000 Mitarbeitern jährlich über 20 Tonnen Gold schürft. Das sind nach aktuellem Goldpreis fast 3 Milliarden Euro. Eine Goldgrube, würde ich sagen. Es gibt leider keinen Werksverkauf.
Ich frage den Fahrer, was er denn als Angestellter der Goldmine im Monat verdienen würde: 800Kina=160€. Da schau her! Die Preise im Supermarkt sind dagegen auf europäischem Niveau, irgendwas ist hier komisch.
27. Februar 2026, Lakakot Bay, Lihir Island (Papua-Neuguinea)
Für heute ist NW 3-4 angesetzt, wie für die nächsten Tage auch, also fahre ich um 15:00 Uhr los, eine Nacht auf der Kreuz mit leichtem Wind, das geht schon mal. Um 15:45 Uhr drehe ich bei NW 6-7 und 2m Welle ziemlich entschlossen um, das geht schon mal gar nicht. Zurück in die Bucht. Selbst hier schaukelt es jetzt ordentlich, obwohl ich sogar 20m weiter drin ankere. Und dabei hatte ich vorher den optimalen Ankerplatz und -grund, heute slippt der Anker dreimal, weicher Modder ist ihm nichts.
Tagelang auf den richtigen Tag gewartet und genau den falschen erwischt. Wie schlau Du doch bist, Ollie…
28. Februar 2026, Lakakot Bay, Lihir Island (Papua-Neuguinea)
Auch die Gezeiten verhalten sich hier komisch, Hoch- und Niedrigwasser wechseln alle 16h und nicht im international üblichen 6h-12min-Rhythmus. Wie kriegen sie das hin?
Ähnlich erstaunlich ist es mit den Eingeborenen. Die Melanesen sehen - zumindest für mich - original aus wie Neger, breite Nasen inklusive. Dabei stammen sie von Chinesen ab, die diese Inseln - im Gegensatz zu den polynesischen - bereits vor einigen tausend Jahren besiedelt haben. Möglicherweise haben sie sich wieder in Richtung Afrika zurückentwickelt, weil es hier einfach zu heiß ist. Für die Besiedlung der Äquatorgegend ist die schwarze Variante einfach die geeignetste. Lustig sind halt die blonden Neger, die gibt es sonst nirgendwo. Aber auch nicht dumm von Mutter Natur, weiße Tropenhelme sind natürlich sinnvoller als schwarze.
2. März 2026, Banesa Bay, Tabar Island (Papua-Neuguinea)
Gestern Nachmittag starte ich den zweiten Angriff und komme etwas weiter als beim ersten Mal: die Squalls erwischen mich erst später, da will ich schon nicht mehr umkehren. Dafür sind es gleich drei und wieder mit 28kn. Kleine Fock und zweites Reff, über 2m Wellen. Da ich schon auf eine (gemütliche Leichtwind-) Kreuz eingestellt bin, schließe ich pflichtbewußt das Seeventil für das Waschbecken im Bad, weil da bei Lage Seewasser reinkommen kann. Dazu muß man hinten unter dem Waschtisch durch Fühlen das richtige Ventil finden, das mißlingt, ich schließe das für die Klospülung. Ein folgenschwerer Fehler, es kommt bei der Lage natürlich reichlich Pazifik nach oben und verteilt sich durch die harten Schläge in die Wellen sehr großflächig, alles wird naß, das ganze Klopapier, mein Rasierapparat (exitus), die Möbel mit den garantiert rostfreien IKEA-Scharnieren… Toll.
Auf dem Satellitenfoto sieht die Bucht friedlich aus, also wage ich die Einfahrt im Dunkeln um 01:30 Uhr, es geht auch alles gut, ich fahre vor bis auf 3m Tiefe und von da 70m zurück, dort sind es 12m Tiefe, das paßt. John kommt noch im Kanu heraus, um mir zu helfen und zu bestätigen, daß es hier keine Bommies gibt. Auf die Weise kriege ich ab 02:30 Uhr noch ein paar Stunden Schlaf, aber nicht allzu viele, denn die neugierigen Anwohner kommen schon früh, um mich zu begrüßen und zu bestaunen. Die Halbstarken behaupten, sie hätten noch nie eine Yacht gesehen.
Dummheit muß bestraft werden, also gibt es heute anstatt Frühstück harte Arbeit, bis alles wieder einigermaßen sauber und trocken ist.
4. März 2026, Tumlabat Exploration Camp, Tabar Island (Papua-Neuguinea)
Das geht auch anders: gestern kann ich eine ganz entspannte, sehr schöne Kreuz im Lee der Insel auf glattem Wasser bis in den Kanal zwischen Klein- und Groß-Tabar segeln.
Dort finde ich eine passende Ankerbucht mit einem aufgegebenen Goldsucherlager, von dem aus bis letztes Jahr australische Geologen die Insel nach Möglichkeiten für die Eröffnung einer neuen Mine (s. Lihir) erkundet haben.
Jetzt lebt nur noch der alte Moses hier, der ist zwar drei Jahre jünger als ich, hat aber wesentlich weniger Zähne. Die Kinder vom Nachbardorf wollen sich das Segelboot ansehen und besorgen dafür frische Getränke vom Baum.
Es regnet täglich mehrmals und heftig.
6. März 2026, Tumlabat Exploration Camp, Tabar Island (Papua-Neuguinea)
Verwundert ob der Melanesen
hab ich nochmal nachgelesen:
Die erste Besiedlung des Bismarck-Archipels fand doch schon vor 50.000 Jahren statt, also während der letzten Eiszeit, ähnlich der Besiedlung Australiens. Die Lapita-Leute aus Taiwan kamen erst vor 3.000 Jahren und haben sich hier gar nicht groß aufgehalten und den bestehenden Genpool nachhaltig beeinflußt, sondern sind in den nächsten Jahrhunderten weiter nach Polynesien gesegelt. Daß die Polynesen von denen abstammen, ist klar zu sehen. Also nix Rückentwicklung, die Theorie kann verworfen werden. Und die blonden Haare kommen von „einer einzigartigen, eigenständigen Genmutation“, sind also auch kein Ergebnis darwinscher Evolution.
8. März 2026, Nusa Island Anchorage, Kavieng, Neu Irland (Papua-Neuguinea)
Wieder über Nacht fahre ich die 75nm nach Kavieng. Anfänglich gibt es eine zweistündige Wetterstörung mit Gegenwind und Flaute, dann geht es mit 10-12kn Rückenwind unter Passatsegeln wie auf Schienen bis zum Nordkap Neu Irlands, so daß ich pünktlich zum Frühstück meinen schon sehnsüchtig wartenden holländischen Kollegen von der DINA HELENA frischen Cappuccino und Roggenbrot servieren kann.
Nicht nur das Dinghy hat Löcher und läßt Luft, auch eine meiner Campingaz-Flaschen hat ein Loch, durch welches das Gas entwichen ist. Durchgerostet, würde ich vermuten. Toll!
Nicht so dramatisch ist der Verlust meiner Vereinswimpel.
11. März 2026, Nusalomon Island, Provinz Neu Irland (Papua-Neuguinea)
Drei Tage Powershopping, das reicht erstmal, deshalb folge ich der DINA HELENA, die ja schon ein paar Wochen hier liegt, bereitwillig über 8nm vor eine kleine Insel mit hübschem Namen. Leider regnet es am Nachmittag, statt ins Riff tauche ich dann eben in meine verschiedenen Bilgen und lege die trocken. Würde das Problem gerne final lösen.
In Kavieng gibt es ein paar Supermärkte, eine Apotheke, zwei Tankstellen, zwei Banken mit ATMs, eine Bäckerei und den üblichen offenen Wochenmarkt. „Lucky 777“ (eingeborenenes Bier) ist gerade im Angebot: kauft man einen 24er Karton, bekommt man einen zweiten obendrauf, das ist anständig und macht es trinkbarer. Es gibt australischen Wein, der ist nicht im Angebot, aber sehr gut trinkbar, und eßbare Brötchen. Einer der chinesischen Supermärkte hat sogar Schweppes Tonic Water, ich kaufe diesmal gleich den ganzen Bestand auf. Hinterher stelle ich fest, daß es nirgendwo Gin gibt. Aber Limetten!
Die Insel Nusalik beherbergt das Nusa Retreat Resort, das wiederum beherbergt hauptsächlich Surfer, denn vor dem Außenriff bauen sich beachtliche Wellen auf und es ist immer ein gutes Dutzend von den Typen am Abreiten. Außerdem bauen sie abends ein beachtliches Buffet auf, wir kaufen uns ein, denn es stehen u.a. Mudcrabs auf der Tafel, ich nehme beim ersten Gang (fast) den ganzen Bestand. Es ist gemütlich hier!
13. März 2026, Nusalomon Island, Provinz Neu Irland (Papua-Neuguinea)
Die Insel bietet ein paar Eingeborene, ein paar japanische Relikte aus dem WW II und ein paar Tintenfische, die ich mit meinem neuen Weihnachtsgeschenk erfolgreich angele. Nun muß ich sie irgendwie zubereiten.
Kollege Henk hat eine volle Campingaz-Flasche über und über-läßt sie mir, toll!!
15. März 2026, Liseno Island No. 1, Provinz Neu Irland (Papua-Neuguinea)
Es werden Spaghetti mit Sepien in Zitronen-Zwiebel-Knoblauch Sauce, gut und reichlich. Mit australischem Chardonnay, auch gut und reichlich.
Dazu gibt es Regen, Regen, Regen. Ohne Sonne macht das Schnorcheln keinen Spaß, aber ich kann sowieso nicht, wegen zweier neuer, eiternder Wunden. Die eine am Knie, nachdem ich in Kavieng auf nassem Beton mit meinen Flip Flops ausgerutscht und gestürzt bin, die andere am Fuß, weil der Flip Flop-Riemen mit Sand paniert war und die Haut aufgerieben hat. Mein Verhältnis zu dem Schuhwerk war ja bisher immer bestens, aber nun muß ich nochmal drüber nachdenken. Oder die alten Flip Flops entsorgen. Jedenfalls laboriere ich wieder mit viel Jod und diesmal zusätzlich noch mit Flammazine-Creme und hoffe, um eine systemische Antibiose herumzukommen.
Wir fahren 5nm zum Lissenung Island Tauch Ressort, das von Dietmar aus Mödling und Antje aus Hannover betrieben wird. Beide haben vorher lange in Australien gelebt und Antje hat ihren Namen australisiert: sie sagt "Änndsch". Der einzige Gast ist Stefan aus Braunschweig, der wegen einer schweren Ohreninfektion aber nicht tauchen kann. Die Alternative ist, Bier an der Bar zu trinken und Lobster zum Dinner zu essen. Da sind wir dabei. Und heute scheint wieder die Sonne!
18. März 2026, Nanavaul Island, Provinz Neu Irland (Papua-Neuguinea)
Gestern verlegen wir uns in eine gegen westliche Winde geschütztere Bucht. Diese kommen auch, mit über 30kn in Böen und mit Dauerregen. Deswegen bleiben wir heute noch hier, bei dem Wetter will keiner durch die Gegend fahren, und der Ankergrund hat sich bewährt.
Auf Nanavaul ist die Primary School für die hiesige Gegend, wir liegen quasi auf dem Schulweg, am Nachmittag kommen alle Kinder, die mit dem Kanu nach Hause fahren, neugierig vorbei. Und kriegen Lollis. Eine geschäftstüchtige Eingeborene bringt reichlich Mudcrabs, wir kaufen ihr vier ab. Da ich keine Lust zu kochen habe, kommen sie – weil schon mit Baumrinde verschnürt – in einen großen Eimer für den nächsten Tag. Über Nacht befreien sie sich natürlich, zum Glück sitzt der Deckel fest drauf. Unverschnürt sind sie gefährlich für die Finger und wegen ihrer Größe nicht in den Topf zu kriegen, also bitte ich Henk zum Bändigen herüber und wir stecken sie in den Eimer zurück, ohne Wasser. Das wird dann kochend und in großen Mengen schnell eingefüllt, wirkt sofort.
Meine Lichtmaschine verweigert sich wieder. Manchmal startet sie nicht. Wenn sie startet, läuft sie problemlos durch. Alles scheint perfekt, ich finde keine Ursache. Frustrierend.
Meine Schrammen sehen auch gar nicht so schlecht aus und scheinen auch nicht (mehr?) infiziert zu sein, zeigen aber wenig Tendenz zum Wundverschluß. Tauchlehrer Dietmar meinte, sowas kann hier gerne mal drei Wochen in Anspruch nehmen. Toll!
25. März 2026, Nusalik Island Anchorage, Kavieng, Neu Irland (Papua-Neuguinea)
Es war viel los in der Zwischenzeit. Meine Wunden wurden immer schlimmer und ich mußte mal wieder zu Amoxiclav greifen, das greift aber auch, es wird besser.
In Ribnitz Harbour leben zwei Familien, beide im Modder. Mud People oder Matschmenschen. Die jüngeren sind in der Lage, sich auf den Mangrovenwurzeln fortzubewegen, die älteren müssen auf Hochwasser warten, um ihr Habitat verlassen zu können. Eine Familie ist gut, die andere böse. Von den Bösen kommt einer des Nächtens und stiehlt das Dinghy samt Außenborder von der DINA HELENA. Am nächsten Tag fahre ich mit Henk überall rum und suche und befrage, aber keiner weiß was und die beiden Familien beschuldigen sich gegenseitig. Also zurück nach Kavieng und zur Polizei. Die rückt vorgestern mit sieben Mann aus zur Untersuchung. Marja findet in einem der Kanus der bösen Familie das Befestigungsseil ihres Motors und eine neu angebrachte Befestigungsplatte für einen Außenborder. Daraufhin wird dem Besitzer und dem Clan-Chief ein Ultimatum von 48h gestellt, um alles zurückzugeben, ansonsten würden ihre Hütten niedergebrannt. Fristgerecht rückt die Polizei wieder aus (diesmal mit MPi’s und schußsicheren Westen). Sie kriegen nur den Motor, das Dinghy ist wohl zerstört und versenkt worden. Der Dieb wird mitgenommen und eingelocht, der Clan winkt und weint herzzerreißend am Ufer. Die Hütten werden nicht abgefackelt. Dinghies sind hier leider nicht zu kriegen.
Maman trifft nach einem Flug über Zürich, Male, Singapur und Port Moresby mit nur einer knappen Stunde Verspätung in Kavieng ein, das ist auch erstaunlich. Und mit allen bestellten Ersatzteilen und ohne Probleme beim Zoll, toll! Arbeitsreiche Wochen liegen nun vor uns…
30. März 2026, Nusalomon Island, Provinz Neu Irland (Papua-Neuguinea)
Die Einkäufe sind erledigt, die Bunker besichtigt und die meisten Ersatzteile verbaut, also buchten wir um nach Nusalomon, wovon Maman begeistert ist. Man kann über die Insel zum Strand wandern, das Riff beschnorcheln und Tintenfische fangen, füllen und essen. Die Sonne scheint, die Wassertemperatur beträgt 30°, die der Luft nur wenig mehr. Das scheint sich rumzusprechen, denn mittlerweile liegen vier Boote hier, einschließlich der DINA HELENA, die ihr altes Ersatzdinghy geflickt und halbwegs zum Schwimmen gebracht hat.
3. April 2026, Nuslik Island, Provinz Neu Irland (Papua-Neuguinea)
Wir arbeiten uns langsam Richtung Nord-Spitze von New Hanover vor, vorbei an Schneider-Island und Schangenstein-Island und vorbei an Max-Rock und Moritz-Rock. Der Wind ist westlich, also müssen wir kreuzen. Das Boot wird beansprucht und reagiert auf gewohnte Weise: es bricht.
Im Senta-Kanal erstehen wir zwei Mudcrabs, die gerade so in meinen Schnellkochtopf passen. Diesmal werden sie umgehend gekocht und dann mit Sahne und Knoblauch spaghettifein gemacht.
Auf der Westseite des Ysabel-Passes finden wir keinen geeigneten Ankerplatz und ankern auf der Ostseite, also vor der Leeküste. Natürlich kommen nachts zwei Squalls vorbei und bescheren uns heftigen Westwind, Wellen und Schlafentzug. Als wir am nächsten Morgen etwas verspätet aufstehen, hat schon ein Eingeborener in seinem Auslegerkanu bei uns angebunden und tapfer gewartet, bis wir wach werden, um uns mit einem Korb voller Kokosnüsse zu beschenken. Er will nichts dafür haben und paddelt gleich wieder los (kriegt aber wenigstens ein paar Angelhaken).
Daraufhin kreuzen wir auch tapfer im zweiten Reff weiter bis ins Nuslik-Atoll, das ist zumindest ringsum geschützt. Die Insel Nuslik hat einen Durchmesser von 250m und wird von knapp 100 Leuten bewohnt. Alle Inseln sind besiedelt, überall am Ufer sieht man Hütten oder Rauchsäulen aus dem Busch lugen.
Ostersonntag, 5. April 2026, Ungalik Island, Provinz Neu Irland (Papua-Neuguinea)
Weiter im zweiten Reff bis nach Ungalik Island, das bietet Schutz vor dem kräftigen Westwind, aber nicht vor dem Regen. Außerdem bietet es beeindruckende Kinderscharen, die uns auf unserem Spaziergang durchs Dorf begleiten. Erstaunlich ist unter dem Gesichtspunkt, daß man keine schwangeren Frauen zu Gesicht kriegt. Und keine Brillenträger. Jeder stellt sich vor, wir lernen sowohl Adolf, Alfons, Clemens, Gerhard, Leonhard und Laurenz, als auch Alfreda, Elisabeth, Josefine, Marie-Luise und Theresa kennen.
Heute ist für 08:00 Uhr der Gottesdienst der Katholen angesetzt, gegen 08:40 Uhr geht es tatsächlich los, es wird viel gesungen, aber alles einstimmig, und es klingt eher wie Kinderlieder mit Klatschen. Die Kirche ist im Bau, der Service wird deshalb unter einem Wellblechdach mit angeschlossenem Altarraum abgehalten, der von einer fast 2h nachgehenden Plastik-Küchenuhr über einer kribbelbunten Plastik-Marienfigur dominiert wird. Die Akteure am Pult sind drei Frauen!!!, das ist allerdings an Modernität nicht zu überbieten.
Die Inschrift des Kreuzes in der neuen Kirche in Pidgin läßt sich leicht übersetzen: „King belongig to all Jews“ = „König der Juden“.
Auf der Weiterfahrt zurück Richtung Kavieng gibt es einen gewaltigen Ruck, dann ist das Vorfach durchgebissen und der Haken samt den Tentakeln des Köders weg. Toll!
8. April 2026, Manne Island, Provinz Neu Irland (Papua-Neuguinea)
Der Bann ist gebrochen und nicht das Vorfach! Eine kapitale Königsmakrele wird erlegt. Sie reißt zwar den pinken Köder vom Haken, aber der Rest hält. 2x Ceviche für DINA HELENA und uns, 2x Räuchermakrele und der Rest wird eingeweckt. Maman behauptet, sie wäre der Glücksbringer.
11. April 2026, Nusalik Island Anchorage, Kavieng, Neu Irland (Papua-Neuguinea)
Nördlich von uns, in den Karolinen, und südlich von uns, in der Salomon-See, drehen sich gleichzeitig(!) zwei schwere Zyklone. Der in der nördlichen Hemisphäre linksherum, der in der südlichen rechtsherum. Zwischen beiden herrscht also starker Westwind, den spüren wir hier mit bis zu 6Bft. Manne Island ist über 30m hoch und bietet besten Schutz, aber wir fahren zurück nach Kavieng, denn Maman fliegt am Montag früh um sechse, dafür müssen wir einen Flughafentransfer organisieren. Nusalik Island ist nur 2m hoch, da pfeift es mehr. Aber im Nusa Retreat Resort kann man mit anderen Seglern (es liege noch vier Boote hier) ein Bier trinken und am Buffet teilnehmen, das ist auch mal schön.
12. April 2026, Nusalik Island Anchorage, Kavieng, Neu Irland (Papua-Neuguinea)
Mamans letzter Bordtag wird mit Kaffee, frischem Brot, Foie Gras de Canard, Frühstückseiern und Veuve Cliquot begonnen (erstaunlich, was das Boot noch alles hergibt) und mit Dauerregen fortgesetzt. Aprilwetter.
Der Krieg im mittleren Osten macht sich selbst hier bemerkbar, und natürlich auf unangenehme Weise: die Spritpreise haben um 30% angezogen und die Taxipreise um 20%. Meinen Rückflug im Juni mit Qatar Aiways über Doha darf ich canceln und mir einen neuen mit KLM über Amsterdam kaufen, 50% teurer. Toll!
17. April 2026, Tsoilik Island, Provinz Neu Irland (Papua-Neuguinea)
Um drei Monate in PNG bleiben zu können, muß man eine Verlängerung des normalen 60-Tage-Visums beantragen, das kostet Arbeit, Nerven und 160€ (man erinnere sich: einen Monatslohn). Das habe ich alles investiert, aber keine Verlängerung erhalten. Auf wiederholte Nachfrage kommt schließlich die Antwort, daß ich „morgen vor 11:30 Uhr“ im Immigrationshauptbüro in Port Moresby vorstellig werden soll. Häh?!?!?? Also bin ich seit drei Wochen illegal hier, aber der Customs-Beamte in Kavieng fragt nicht nach meinem Visum und gibt mir problemlos eine Ausklarierung und stempelt meinen Paß. Uff! Wie immer soll ich innerhalb von 24h das Land verlassen, aber ich verlasse nur den Ankerplatz von Kavieng und schlurfe mit der DINA HELENA zur Nordwestspitze von Neu Hannover. Die haben schon vor zwei Wochen ausklariert und sind genauso illegal hier wie ich.
Unsere Weiterfahrt soll über die Hermit Islands und das Ninigo Atoll (beide ebenfalls noch PNG) nach Biak in Indonesien erfolgen, leider hat sich das Wetterfenster dafür seit gestern für mindestens zehn Tage geschlossen. Die DINA hatte einen akuten Ankerkettenverschluß, den ich aber erfolgreich mittels Winkelschleifer (unter Verlust von 1,5m Kette) therapieren konnte, und ich muß wieder meine Genua nachnähen. Das kann ich während der angesetzten Flaute sicher gut machen. Vorsichtshalber bleibt mein AIS ausgeschaltet und meine Position auf Noforeignland unverändert.
Wieviel Freiheit will ich?
Ich? Ich will natürlich die große Freiheit, und davon ganz viel. Andere wollen scheinbar nur ganz wenig: wie viele folgen dem Lockruf der Freiheit in ein Leben unter Palmen und dem Kreuz des Südens, weit weg von allen zivilisierten Hamsterrädern und Kontrollsystemen? Und wie viele kommen nach jedem Urlaub pflichtbewußt und freiwillig zurück in den Käfig, um weiter zu strampeln? Wohl wissend, daß ein Ausstieg keinesfalls den sofortigen Hungertod und die ewige Verdammnis nach sich zieht?
Kann man die Freiheit fürchten? Und seinen Käfig lieben?
19. April 2026, Tsoilik Island, Provinz Neu Irland (Papua-Neuguinea)
Tsoilik verfügt über ein paar „guest houses“, die alle paar Wochen von todesmutigen Touristen genutzt würden, vor allem deutschen, holländischen, österreichischen und Schweizern. Man ist daher in der Lage, uns ein Dinner am Strand anzubieten, das gar nicht mal schlecht ist: verschiedene Fische, Fischpudding, Maniok, Kochbananen und Mudcrab! Für 4€ pro Person, das nehmen wir gerne an. Der nächtliche Heimweg ist total verregnet.
21. April 2026, Dunung Island (Clem’s Place), Gebiet Neu Hannover (Papua-Neuguinea)
Meinen abgefetzten Tintenfisch-Köder ersetze ich durch eine bunte Zahnpastatube, die auch einen unwiderstehlichen Reiz auf die maritimen Predatoren ausübt, nach einer Stunde wird sie bereits angegriffen und niedergemetztelt. Die Zahnabdrücke des Angreifers sind sehr gut zu erkennen, er schafft es allerdings nicht, auf einen der drei Haken zu beißen. Und es steht außen extra "Triple action" drauf! Wie doof kann so ein Fisch sein?
Clem‘s ist ein guter Place, um auf Wind zu warten und die notwendigen Reparaturen zu erledigen (die Genua ist schon fertig). Ein ruhiger und gemütlicher Ankerplatz, nette Leute, ein altes japanisches Flugzeug zum Beschnorcheln (macht nicht mehr viel her) und ein kleines Resort, in dem wir morgen dinieren wollen. Bier muß man selber mitbringen, die Insel wird von den Siebten-Tages-Adventisten beherrscht. Alkohol ist bei denen verboten, zumindest gibt es keinen zu kaufen. Wenn man ihnen ein Bier anbietet, sind sie allerdings zu höflich, um es abzulehnen.
Der engagierte junge Lehrer der privat initiierten Schule zeigt uns seinen Wirkungsbereich. Wichtig ist ihm, daß die Kinder praktische Sachen lernen, also gibt es einen Schulgarten mit Augenmerk auf Kompost- und Düngergewinnung (aus Fischabfällen), eine Hühnerhaltung und eine Tischlerei. Sein Monatslohn betrüge 60€, die Regierung gäbe gar nichts, die Schule sei noch nicht anerkannt. Wir geben Stifte und Schreibhefte.
26. April 2026, Dunung Island (Clem’s Place), Gebiet Neu Hannover (Papua-Neuguinea)
Unsere Zeit hier neigt sich ihrem Ende zu, der Wetterbericht legt nahe, übermorgen abzureisen und mit dem in den folgenden drei Tagen angesetzten, leichten Süd- bis Ostwind die gut 300nm zu den Hermit Islands zu überwinden. Danach wäre wieder Flaute von vorn. Die Tintenfische sind verspeist, die Insel ist zweimal durch- und umwandert, die Reparaturen sind erledigt. Der Rost in meinem Dieselvorfilter stammt sicher von den alten Shell-Fässern, in denen er gelagert wurde. Meine Tanks sind aus Plastik und aus Aluminium, daher kann er nicht kommen.
Nach über einer Woche wird es auch langsam Zeit, das Paradies fängt an zu langweilen und ich brauche ein neues. Mein Heimflug von Sorong ist in 6 Wochen und bis nach Sorong sind es noch 1.200nm (>2.200km), das ist nicht direkt um die Ecke.
29. April 2026, Bismarck See, 60nm vor Lorengau (Papua-Neuguinea)
Katastrophal…
ist die Wettervorhersage in dieser Gegend. Statt Südwind und Nordstrom kommen erstmal Westwind und Oststrom, also beides von vorn. Und dann Flaute. Wir müssen 140 von den 180nm bis Lorengau auf Manus motoren und beschließen daher, dort einen (illegalen) Tankstopp einzulegen.
Bei meinem verzweifelten Versuch, ein bißchen Unterstützung durch die Segel zu ergattern, verfängt sich eine Leine in meiner nicht geschlossenen Dachluke und reißt sie ab. Cabriogefühle. Ich kann sie provisorisch wieder montieren, aber letztendlich brauche ich eine neue, sie ist gesprungen.
Kein Fisch.
Katastrophal...
2. Mai 2026, Nord-Manus (Papua-Neuguinea)
Diesel gibt es wieder zu normalen Preisen, 1,10€/l. Ich nehme 110l.
Die Bewohner der kleinen Insel Butjo Lang, hinter der wir uns im Seeadlerhafen versteckt haben, sind sehr freundlich und hilfsbereit, fahren uns für ein angemessenes Entgelt in die Stadt zum Einkaufen und zum Tanken (dabei tragen sie unsere Taschen und Kanister).
Da eine leichte östliche Brise weht, fahren wir nördlich von Manus und südlich der vorgelagerten Riffe und Inseln weiter Richtung Westen. In der ausgewählten Ankerbucht leben ca. 50 Menschen in einem kleinen Dorf am Ufer, sie kommen alle mit ihren Kanus, Booten und anderen Schwimmhilfen heraus, um uns zu bestaunen. Da die DINA nach mir eintrifft, ist die RESOLUTION also die erste Yacht, die jemals hier geankert hätte. Es werden Kokosnüsse, Zitronen, Bonitos und Ananas gereicht. Ich verteile Lollis, Kaugummis, Zigaretten und Angelhaken. Das Ganze ist ein bißchen aufregend und anstrengend, zum Dinner mit Bonito-Ceviche sind sie aber alle wieder weg.
4. Mai 2026, Ponam Island, Region Manus (Papua-Neuguinea)
Kurz vor der Ankunft gibt es einen Winddreher und eine unfreiwillige Halse, gefolgt von einem Bedienfehler seitens der Crew: nun haben wir einen Dreiangel von über einem Meter Länge in der Genua. Zur Strafe muß die Crew einen ganzen Tag nähen und tapen. Wie lange die Reparatur hält, wird man sehen.
Ponam ist schwer katholisch und so etwas wie eine Touristenhochburg: zwei bis dreimal im Jahr käme die TRUE KNOT, ein australisches Kreuzfahrtschiff, und überschwämme die Insel mit Tausenden weißer Touristen. Voraussetzung war die Errichtung einer Toilette nach westlichem Standard, die für den Rest des Jahres natürlich zugenagelt wird. Wenn es dann losgeht, müssen alle die Toilette putzen, ihre Stände aufbauen, Muschelketten verkaufen und tanzen. Das bringt pro Besuch ca. 1.400€ für die Gemeindekasse, ein Luxus, über den die anderen Dörfer hier nicht verfügen.
Seit dem 1. Mai funktioniert Starlink wieder in PNG! Die notwendigen Schmiergelder wurden wohl gezahlt.
6. Mai 2026, Pekhu Island, Hermit-Atoll (Papua-Neuguinea)
Die freundlichen Katholen auf Ponam haben kein Problem mit ihren Sünden, sie brauchen ja nur zur Beichte zu gehen und alles ist wieder gut. Ich sehe das nicht so, denn ich hätte meine Taucherflossen gerne weiter benutzt, aber nun benutzt sie jemand anderes, wie ich heute feststellen muß.
Die letzte Nacht in den Admiralty-Islands (Manus ist die Hauptinsel) verbringen wir still und friedlich vor der unbewohnten Krese-Insel, aber natürlich haben die Junggesellen der Nachbarinsel nichts Besseres vor, als herüber zu paddeln und uns zu bestaunen. Sie scheinen auch friedlich und bringen Kokosnüsse, bisher fehlt nichts weiter an Bord.
Dann geht es über Nacht und unter Motor (Brrrrr…, kein Wind, Brrrr…) zu den sagenhaften Eremiten-Inseln, ab Sonnenaufgang kann ich wieder segeln. Die DINA legt sich vor’s Dorf und wird wohl sehr herzlich begrüßt, ich entscheide mich für die wieder unbewohnte Pekhu-Insel. Diesmal kommen Papa und Söhnchen von der Nachbarinsel, um mich zu bestaunen. Papa verspricht, mit Lobster wiederzukommen. Schaumerma…
Es ist so schön hier, daß es etwas kitschig wirkt. Das Türkis kommt auf den Fotos gar nicht richtig durch. Die Korallen sind bunt und fischreich (habe den Fotoapparat natürlich wieder an Bord vergessen…).
Die Hermits liegen nur 100nm vom Äquator entfernt, die Lufttemperatur liegt daher bei gesunden 37°C. Die Wassertemperatur ist etwas niedriger. Aber nicht viel.
7. Mai 2026, Pekhu Island, Hermit-Atoll (Papua-Neuguinea)
Es gibt bis jetzt keinen Lobster, ich muß mit den Kürbisranken Vorlieb nehmen. Die schmecken gar nicht schlecht, aber mit ein, zwei Langusten wären sie sicher noch besser gewesen… Andererseits ist es auch schön, einen Tag mal ganz alleine und ohne Besuch zu verbringen. Langweilig ist mir nicht.
Heute schaffe ich es, den Fotoapparat zum Schnorcheln mitzunehmen, aber ein richtiger Jaques Cousteau werde ich wohl nicht mehr.
10. Mai 2026, Mal Island, Ninigo-Atoll (Papua-Neuguinea)
Wenn etwas abgelegen ist, dann das Ninigo Atoll. Von den Hermits sind es 55nm, die absolvieren wir wieder in der Nacht und diesmal mit gutem (Rücken-)Wind, eine Stunde vor Sonnenaufgang muß ich die Segel streichen, um zu bremsen und nicht im Dunkeln auf das Riff zu laufen. Auf Mal leben 400 Leute, und nur von dem, was die Insel und das Meer so hergeben. Viel Landwirtschaft ist nicht möglich, der Korallenkalk ist eher ein magerer Boden. Aber man bringt uns Kokosnüsse, Papayas und Mangos. Dafür will man Internet.
Ich habe wieder einen Lobster in Auftrag gegeben. Schaumerma...
Es gibt eine Schule mit über 100 Kindern und 8 Lehrern und eine Krankenstation mit zwei Schwestern und momentan zwei Patienten. Die Krankenstation ist für die Versorgung von ganz Ninigo, den Hermits und allen anderen kleinen Inseln in der Gegend zuständig. Apropos Zustände: die sind wenig europäisch. Eine Kranke liegt auf dem halb verfaulten Terassenbosen und wird vom Ehemann versorgt, die andere mit Schlaganfall im Bett mit 2 Töchtern neben ihr, die ihr Luft zufächeln. Sie wird seit zwei Wochen parenteral ernährt, also müssen die Krankenschwestern zumindest wissen, was sie tun. Die Krankenhausapotheke ist gar nicht schlecht ausgestattet, es gibt sogar einen solarbetriebenen Kühlschrank, in dem allerhand Impfstoffe lagern. Aber kein Insulin. Nur Glibenclamid und Metformin stehen für die Diabetiker (es wären einige, sagt man mir) zur Verfügung.
11. Mai 2026, Mal Island, Ninigo-Atoll (Papua-Neuguinea)
Es sind zwei Lobster eingetroffen! Stilecht per Segelkanu. Ich denke, es gibt Maccaroni mit Lobster in Kokosmilch, Zitronenabrieb und Knoblauch.
12. Mai 2026, Pihun Island, Ninigo-Atoll (Papua-Neuguinea)
Die zwei Lobster sind kaum verspeist, da treffen drei (bereits gekochte) Kokoskrabben ein! Die Leute hier sind zum Teil unbarmherzig freundlich. Aber nur zum Teil, denn ich habe heute festgestellt, daß auch eine meiner Gasflaschen den Besitzer gewechselt hat. Die war in einem wasserdichten Eimer im Heck neben den Flossen untergebracht, der Eimer hat wohl das diebische Interesse geweckt, die Gasflasche darin war nur Beifang. Aber für mich echt ärgerlich, denn die gibt es hier oder in Indonesien definitiv nicht. Zu Hause vielleicht, aber teuer und schwer. Henk hatte sie mir erst geschenkt, weil eine von meinen undicht war. Toll…
15. Mai 2026, Bismarck-See, 470nm vor Biak (Papua-Neuguinea)
Die Zeit des freien Internetzugangs ist für die armen Eingeborenen vorbei, wir sind abgereist. Seit Tagen beobachten wir die Wettervorhersage und sie wird von Tag zu Tag schlechter. Ein passendes Wetterfenster hatte sich schon vor 5 Tagen geöffnet, aber da war es der DINA zu früh, sie wollten noch auf die Ninigos. Das schließt sich jetzt rasch, aber danach geht kein neues auf. Und mein Flug geht am 7. Juni und es sind noch 800nm bis zum Flughafen. Vorher muß ich in die Marina und das Boot abreisefertig machen. Da stellen wir uns lieber bei Fastflaute aufs blaue Meer statt in die türkise Lagune und hoffen auf die Strömung, die kurz vor Neuguinea mit über 2kn in Richtung Flughafen setzen soll. Im Moment läuft es noch bestens mit raumen 4 Bft., aber ab übermorgen soll der Wind halt weg sein. Der DINA bricht nach 6h das Großfall, sie können es aber durch die Dierck ersetzen und weiterfahren.
17. Mai 2026, westlicher Südpazifik, 150nm vor Biak (Indonesien)
4. Jahrestag meiner Abreise
Auch meine PNG-Gastlandflagge indiziert eine zügige Abreise, trotz meiner Rettungsversuche. Eine indonesische habe ich nicht, aber ich kann die alte polnische aus Ostseezeiten (ver)wenden.
Die Bismarck-See liegt bereits hinter mir, sie hat sich zum Abschied von ihrer besten Seite gezeigt. 2 Tage und Nächte entspanntes Segeln in ruhigem Wasser bei raumen oder achterlichen 3-4 Bft., keine Squalls. Hier vor der indonesischen Nordostküste von Neuguinea setzt dazu ein beachtlicher Strom in meine Richtung, das läuft wie auf Schienen, viel besser, als gedacht. Allerdings ist morgen Mittag Schluß damit, dann soll der Wind abflauen. Also schaffe ich es nicht mehr bis Biak und muß irgendwo für zwei Tage auf den Folgewind warten, ich habe zwei vorgelagerte Inseln ins Auge gefaßt, die vielleicht eine Ankermöglichkeit bieten. Im Revierführer steht nichts zu der Gegend und die Seekarten sind völlig unglaubwürdig. Die Satellitenfotos zeigen halt keine Tiefen.
Unterwegs habe ich wieder mein Dinghy geflickt (das neue ist schon in Sorong eingetroffen!) und meine Köder gebadet.
Des Nachts sehe ich ein merkwürdig grünes Licht voraus, das immer deutlicher wird und nicht verschwindet. Grün bedeutet, man sieht die Steuerbordseite eines Schiffes, also weiche ich nach backbord aus. Allerdings hat der Kollege Fischer? auf 360° steuerbord, irgendwann leuchtet er mich mit seiner Taschenlampe an und ich fahre rechts an ihm vorbei, vielleicht mit 100m Abstand. Tagsüber kommt mir ein weiterer Kollege mit einem Affenzahn entgegen, er hat in seine Dhau? mit zwei Auslegern sicher einen alten Hubschraubermotor eingebaut, jedenfalls klingt es so und würde die Geschwindigkeit erklären.
20. Mai 2026, Pulau Insumanai, Papua (Indonesien)
Nachts um zwei im Stockdunklen, durchsetzt mit Regen und Gewitter, ankere ich in hinter Insumanai zwischen den Wakde-Inseln auf 13m. Und schlafe bis zwölf Uhr mittags. In der Zeit ist auch die DINA neben mir angekommen. Wir machen unseren Besuch auf der bewohnten Insel Insumoar. Die Bewohner sehen genauso schwarz aus wie alle Melanesier und pflegen die gleiche Lebensweise wie in PNG. Der einzige Unterschied ist, daß sie kleine Fische schwarmweise fangen und trocknen (das riecht lecker) und kein Englisch mehr sprechen, sondern ausschließlich indonesisch. Der selbsternannte Touristenführer Victoria beherrscht wenigstens ein paar Worte: „America yes, Japanese no.“ Er führt uns zu den WWII-Überbleibseln, neben einem gewaltigen Anlegesteg sind das überwucherte Betonstraßen, eine Landebahn und zwei Flugzeugmotoren. Im Krieg wird demnach nicht nur viel zerstört, sondern auch viel gebaut.
Erstaunlich, wieviel Beton in kürzester Zeit auf kleinstem Raum vergossen wurde (s.a. die deutschen Bunker auf den Kanalinseln). Die Wakde-Inseln wurden in der sogenannten Schlacht am Lone Tree Hill 1944 von den Amerikanern angegriffen und eingenommen, um den von den Japanern angelegten Flugplatz zu erobern.
Die heutige Provinz Papua hieß bis zur Übergabe an Indonesien 1963 übrigens Niederländisch-Neuguinea, die Hauptsadt Jayapura hieß Hollandia. Aber davon haben Henk und Marja auch nichts, niemand spricht hier noch holländisch.
Indonesische Stilleben
Dschungel
Dschungel
mit Bäumen
Dschungel
mit Papa
Frühstück im Regen
mit Kokosbrot
24. Mai 2026, Pulau Nusi, Papua (Indonesien)
Die Gegend hier im Norden von Neuguinea ist seglerisch recht zwiegespalten. Während der ersten Etappe, von Ninigo nach Insumanai, läuft es wie geschmiert, leichte achterliche Winde, Schiebestrom. Auf den ersten 80nm der zweiten Etappe ebenso, dann folgen Flaute und Gegenstrom. Der Motor muß stundenlang tuckern, das kostet Diesel und Betriebsstunden, deshalb schreit er schon wieder nach einem Service. Offizielle Yanmar Werkstätten (muß ich in Anspruch nehmen, um die Garantie zu erhalten) gibt es aber nur in Jakarta, Bali oder Singapur. Das ist alles ganz woanders, also werde ich es diesmal wohl wirklich selber machen.
Die Motorfahrten sind mir ein Graus, das Gebrumme nervt. Jedes kleine Lüftchen nutze ich, um ein bißchen zu segeln und dem Motor und mir Ruhe zu gönnen. Insbesondere nachts, wenn man die vielen und dicken Baumstämme, die hier im Wasser treiben, nicht sieht. Da ist es mir lieber, wenn der Propeller nicht läuft.
Heute geht es auch wieder nur unter Motor nach Biak, dort muß ich morgen einklarieren (und Diesel und Bier nachfüllen). Die indonesische Seglergemeinde empfiehlt, für die Einklarierungsprozedur einen Agenten zu nehmen, und zwar Ahmed. Der betreibt das örtliche Tauchresort, ich habe ihn bereits kontaktiert, er scheint sehr hilfsbereit und geschäftstüchtig zu sein. Da ich ohne Einklarierung das Boot nicht verlassen darf, will er mir ein indonesisches Dinner an Bord servieren. Schaumerma!
25. Mai 2026, Biak, Papua (Indonesien)
Ahmed schickt tatsächlich Streetfood, gut und scharf, und ein Foto von meinem Schiff, auch gut und scharf. Vorher schickt er noch einen Angestellten, der mir beim Anlegen an der Mooring helfen soll. Der Geschickte ist der Geschickteste von allen: er schafft es nach mehreren Versuchen, meine Leine in meinem Bugstrahlruder zu versenken. Daraufhin fliegen sofort alle Propellerflügel weg, von beiden Propellern. Toll! Ich habe tatsächlich zwei als Ersatz dabei und schaffe es heute noch vor dem Frühstück, die Reste zu de- und die neuen zu montieren.
Indonesien ist ja mohammedanisch, aber die Papua-Provinz überwiegend christlich, also ist hier heute lokaler Feiertag (Pfingstmontag) und die sicherlich mohammedanischen Bürokraten machen mit Begeisterung frei. Einklarierung erst morgen. Toll!
26. Mai 2026, Biak, Papua (Indonesien)
Die Einklarierung ist nach zwei Tagen und Zahlung von 200€ abgeschlossen. Es wird immer wilder, und die Philippinen sollen noch aufwendiger und teurer sein.
Diesel und Bier habe ich auch bekommen und noch etwas mehr, sie haben richtige Supermärkte. Allerdings ist die Orientierung schwierig, alles ist halt nur auf Indonesisch beschriftet. Es dauert ewig, bis ich Milchpulver glaube gefunden zu haben. Dazu kommt die anspruchsvolle Währung: die indonesische Rupie als solche existiert gar nicht, nur in ihren höheren Zehnerpotenzen: 1 Mio Rupien sind 50€. Der größte Geldschein ist die 100.000-Rupien-Note, die entspricht dem 5€-Schein. Ich bin also seit meinem Besuch am Geldautomaten Multimillionär und kriege das Portemonnaie nicht mehr in die Hosentasche.
Beim Kauf von Streetfood treten immer Zweifel auf und es muß mehrfach nachgerechnet werden, aber letztendlich kostet die Nudelsuppe mit einem pochierten Ei wirklich nur 0,75€ und ein komplettes Reisgericht mit Gemüse und Fleisch und scharfer Sauce 1,50€.
Die Crew bekommt als Belohnung für selbstlosen Einsatz vor dem Frühstück eine einstündige Ganzkörpermassage von mir spendiert und ist restlos begeistert.
31. Mai 2026, letzter Zipfel des westlichen Südpazifiks, 20nm südlich des Äquators, West Papua (Indonesien)
Die DINA HELENA bleibt in Biak, es gefällt ihnen so gut, daß sie gar nicht weiter fahren wollen, sondern von hier nach Hause fliegen werden. Ich habe schon einen Marinaplatz und einen Flug in Sorong gebucht, also trennen wir uns und ich mache mich auf den langen Schlag nach Mandokwari, wieder über Nacht. Teils segelnd, teils motorend. Der Ankerplatz hier steht dafür unter direktem Schutz von ganz oben.
Es folgt ein reiner Motorentag ums Kap herum, hier steht ein unangenhmer Seegang aufgrund gegenläufiger Strömungen.
Gestern starte ich wieder einen Overnighter, diesmal kann ich fast alles segelnd bewältigen. Bei ablandigem Wind ist die See schön glatt, das macht es schnell und angenehm. Und es duftet intensiv nach Jasmin, wie ich finde (obwohl noch Schneereste im Gebirge liegen). Allerdings kommt der Wind mal durch die Täler herabgestürzt oder wird von den Bergen blockiert und abgelenkt, das macht es abwechslungsreich. Dazu herrscht reger Verkehr, ein fauler Frachter leuchtet und hupt mich sogar des Nachts an, anstatt mir weiträumig auszuweichen. Frechheit. Kaum Schlaf.
Verluste und Ausfälle: 1 Angelköder, 1 Computermaus, 1 Multimeter (ziemlich viel für einen Tag)
04. Juni 2026, Tampa Garam Marina, Sorong, West Papua (Indonesien)
Angekommen! Nach vielen Segel- und Motorstunden. Deshalb muß auch gleich ein Motorservice gemacht werden, John Bas kommt dafür an Bord. Er macht das ganz gut, aber beim gemeinsamen Selfie kriegt er den Mund nicht auf, und das wollte ich doch unbedingt, denn er hat nur noch zwei Zähne.
Die „Tampa Garam Marina“ ist ein Hafenbecken und sonst nix, man muß vorne seinen Anker schmeißen und achtern zwei lange Leinen am Ufer festmachen, an Land kommt man dann per Dinghy. Kein Strom, kein Sanitär, kein Wasser. Diesel bestellt man in Kanistern (brauche 200l), in die Stadt bestellt man sich ein Taxi. Neddy fährt mich zwei Stunden von Supermarkt (die haben genau das richtige Bier für mich!) über Hardwareshop zu Streetfood-Stand (schmeckt hervorragend!), für insgesamt 10€.
Es liegen noch 4 andere verlassene Boote hier, die Marina ist ein Heimflughafen. Er wird von Wick, einem hilfsbereiten alten Australier geführt, der mir auch beim Festmachen hilft. Da er einen Tauchflaschen-Service-Shop mit integrierter Werkstatt betreibt, meint er allerdings, er könne meine wegkorrodierte Messing-Schlauchtülle aus Teflon nachbauen. Beim Konservieren des Wassermachers bin ich nur leicht an den Schlauch vom Abflußbecken daneben gekommen und plötzlich ist der weg vom Seeventil und das offen und der Pazifik kommt mir fröhlich sprudelnd entgegen. Nun gibt es keinen besseren Zeitpunkt als diesen für ein derartiges Ereignis, denn ich bin ja da und kann das Seeventil sofort schließen. Wenn man das nicht mitkriegt, ist das Boot in 30min abgesoffen.
Das Seeventil besteht aus Edelstahl und die Schlauchtülle aus Messing. Da war wieder einer bei HANSE in völliger Unkenntnis der elektrochemischen Spannungsreihe, woher soll man das auch wissen? Ich bin mir ziemlich sicher, daß die anderen 8 Seeventile und Schlauchtüllen nach vier Jahren im Salzwasser (da gehören Boote von HANSE bestimmt nicht hin) ganz genauso aussehen. Es fehlt bereits 1cm Material, das war mal ein Teil! Also werde ich vor meiner Abreise am Sonntag alle Ventile schließen und von zu Hause neue Schlauchtüllen aus Edelstahl oder Plastik mitbringen. Und dann an die Arbeit gehen. Toll!
06. Juni 2026, Tampa Garam Marina, Sorong, West Papua (Indonesien)
Wick kann‘s! Seine Teflon-Schlauchtülle paßt perfekt und meine anderen Seeventile haben zum Glück nicht diesen galvanischen Materialmix.
In Vorbereitung meiner Abreise erledige ich alle notwendigen Arbeiten, ich gehe sogar ins Wasser, um eine schwarze Mülltüte über den Propeller zu ziehen, damit er nicht so stark bewächst. Das kostet mich allerdings einige Überwindung, das Wasser hier ist eher eine flüssige Müllhalde. Danach sofort mit antibakteriellem Duschgel abgeduscht.
Die Eingeborenen haben mir zu Ehren schon entsprechend geflaggt.
Anfang Juli melde ich mich wieder, bis dahin ist Sommerpause.
So long from Sorong!